Mein Buch „Drei verrückte Weihnachtswünsche“

„… Irgendwie bedauerte er sie. „Hier in dieser Hüte habe ich den besten Sommer meines Lebens verbracht. Ich war damals so alt wie sie.“ Dabei zeigte sie auf Leonie und setzte fort „Ich dachte, ich finde hier das Glück wieder.“ Eine Träne rollte über ihre Wange und er musste sie über den Tisch hinweg tröstend in den Arm nehmen. Da war so eine Art von innerem Zwang und die Frau ließ es zu.

Nach Stunden war Leonie in der Ecke eingeschlafen und er brachte die Tochter auf seinen Armen in ihr Bett hinüber. Zurück in der Stube sah er in die Kiste mit den Spielen. „Wollen wir etwas spielen?“, fragte er und die Frau sah ihn ungläubig an. „Mensch ärgere dich nicht?“, entgegnete sie und er hob ein Kartenspiel aus der Kiste. „Vielleicht Poker?“, fragte er und sah, wie sie die Augenbrauen hochzog.

„Was ist denn dabei der Einsatz?“, fragte sie und setzte hinzu „Aber kein Strip-Poker!“ Michael kratzte sich am Kopf und sah sich um. Spielchips waren keine zu finden. Was konnte er nehmen? Ein altes Party-Spiel aus Studentenzeiten fiel ihm wieder ein. „Schnaps-Poker!“, sagte er und zog eine Flasche Pflaumenschnaps hervor, die Willy wohl hier oben vergessen hatte. „Schnaps-Poker?“, fragte Barbara zweifelnd und er erklärte „Wer verliert, der trinkt einen Schnaps“ „Du willst mich wohl betrunken machen?“, fragte sie und er lächelte ihren Einwand weg.

Flasche, Gläser und Karten fanden ihren Platz auf dem Tisch. Die Frau spielte gut und verlor kaum ein Spiel. Ihm kam das sehr entgegen. Den Schnaps hätte er auch so getrunken, aber so machte das viel mehr Spaß. Ein feucht-fröhlicher Abend begann und nach einer Stunde war das Spielglück in etwa ausgeglichen. Die erste Flasche war leer und Barbara holte die zweite aus dem Schrank. Der Likör war richtig lecker.

Eigentlich mochte er das süße Zeug ja nicht, aber dieser hier war sehr gut. Und es war der einzige Schnaps, der hier in der Hütte zu finden war. Die halbe Flasche Rum, die er mitgebracht hatte, wollte er für eventuell gemachten Grog aufheben. Auch die zweite Flasche Likör neigte sich bald ihrem Ende zu. Das Lachen der Frau war einfach nur herzerfrischend. … “

Weiter lesen in meinem Buch „Drei verrückte Weihnachtswünsche“ mit ISBN 978-3-7494-8575-8, 172 Seiten als Buch für 6,49 Euro und demnächst auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://romantik.goeritz-netz.de/14.html

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Mit einem meiner bisher erschienenen Bücher vergeht die Zeit wie im Fluge.

Alle Bücher sind auch als eBook bei Amazon, iTunes, AppStore und im GooglePlayStore erhältlich.

Alle Infos finden Sie immer unter www.Goeritz-Netz.de

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Meine neue romantische Geschichte „Weihnachten auf Schloss Wolfenfels“ erscheint demnächst …

Demnächst erscheint meine diesjährige Weihnachtsgeschichte …

„… Stundenlang saß Lissy jetzt schon an dem Tisch und grübelte nach. Sie stellte sich ihre ganze Verwandtschaft gerade bildlich vor. Das waren alles verstaubte und stocksteife Existenzen und sie schüttelte den Kopf in der Realisierung dessen, dass sie mal der Schwester nachgeeifert hatte.
Nie im Leben wollte sie gerade so sein, wie Franziska, aber nach Meinung der Familie hatte es die Schwester jetzt wohl geschafft und beim nächsten Besuch würde Lissy einen tiefen Knicks machen und »Königliche Hoheit« zu Franziska sagen müssen.
Wollte sie das wirklich?
Zumindest war jetzt schon mal klar, dass sie wohl unter keinerlei wie auch immer gearteten Umständen eine Einladung zur Vermählung und Krönung der Schwester erhalten würde.
Lissy setzte sich zurück und zog sich das Bild des Großvaters vom Tisch. Sie betrachtete das Foto und erschauerte dabei regelrecht. Seine Augen waren kalt!
Einzig und alleine vor ihm hatte sie Bammel!
Doch was konnte er ihr eigentlich tun? Die mehr als großzügigen Zuwendungen streichen! Ja, aber sonst?
Sie blickte sich in ihrem kleinen Reich um. Noch nie hatte sie Geldsorgen gehabt. Das Apartment hier kostete im Monat mehr, als ihre Freundin Britta im viertel Jahr verdiente!
Beim Gedanken an die Freundin fiel ihr ein, dass sie auch noch das Abendessen bei Giovanni bestellen musste.
Geschwind war die Nummer gewählt und der Auftrag abgegeben.
Auch das war etwas, was der pure Luxus war, wenn man es von Brittas Seite aus sehen würde.
Bisher hatte sie sich nie Gedanken ums Geld gemacht, diese verdammten Bilder und die Drohung des Vaters hatten da im Augenblick für ein Umdenken gesorgt.
Und wenn man es richtig nahm, so war auch gar nicht das Geld ihr größtes Problem, sondern diese verfluchten Fotos, denn die würden für immer irgendwo sein!
Das war unumkehrbar!
Erneut fiel ihr ihre Ahnherrin Giseldis ein, denn auch diese Frau hatte Schande über die Familie gebracht und es auf die einzige Art gelöst, die ihr damals möglich gewesen war.
Und sie?
Ein Sprung in die Tiefe und Ende?
Allerdings wäre das nicht die Lösung der Angelegenheit, denn die Fotografien würde es auch danach noch geben!
Und die würden auch mit sehr viel Geld nicht mehr aus der Welt geschafft werden können. Die Zeitung war ja bereits gedruckt!
Würde das mit der Zeit in Vergessenheit geraten? Das war wohl eine illusorische Vorstellung, denn das Internet vergaß nie etwas!
Lissy seufzte und zog das Handy zu sich.
Sie würde für Britta und sich noch das Hotel buchen müssen, denn auch die Freundin würde wohl kaum in diesem düsteren Kasten wohnen wollen. Sie selbst gruselte sich schon alleine beim bloßen Gedanken daran, dort zu schlafen.
Einen Anruf später war das beste Zimmer der ganzen Stadt für sie beide für den Rest des Jahres reserviert und auch schon im Voraus bezahlt. Man wusste ja nie!
Jetzt wartete sie nur noch auf Britta.
Immer wieder hob sie ihren Blick zum Fenster und irgendwann war dann der Moment erreicht, zu dem sie sich am Tage zuvor noch für die Party fertiggemacht hatte.
Fehlte ihr das jetzt schon? Ein bisschen Entzugserscheinungen hatte sie bereits, zumal die Fete sie eventuell von den unnützen Gedanken ablenken konnte.
Oder war sie die ganze Zeit schon einfach nur zu diesen Veranstaltungen gegangen, um nicht nachdenken zu müssen?
Das Schlafen, der schnelle Sex mit zufälligen Bekanntschaften und diese Feiern waren bisher ihre Lebensinhalte gewesen.
Und was kam jetzt?
Für ein paar Wochen würde sie da, nach diesen Bildern, höchstens maskiert hingehen können! Und Fasching war noch so lange hin!
Vor ihrem inneren Auge sah sie jetzt alle die flüchtigen Bekannten, die sie immerfort auf den Feiern ausgehalten hatte.
Keine und keiner davon würde sie in Schutz nehmen. Alle würden nur mit dem Finger auf sie zeigen, oder hämisch hinter ihrem Rücken über sie lachen und lästern.
Und dabei konnte es doch allen genauso passieren!
Wer wusste schon, wie vielen Frauen das täglich geschah? Tausenden? Die Dunkelziffer war sicherlich um ein Vielfaches höher, denn selbst sie hätte es ja ohne die Fotos nicht gewusst.
Erneut nahm Lissy das Telefon hoch und fragte, was es mit diesen Tropfen auf sich hatte.
Viele Frauen schilderten ähnliches und erneut lief ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Was hätte da alles geschehen können?
Falsch! Es war ihr passiert! Jemand hatte mit ihr ohne ihr Zutun und damit gegen ihren Willen Sex gehabt!
„Britta, wo bleibst du nur?“, sagte Lissy laut vor sich hin.
Jetzt konnte sie gerade die Einsamkeit ihrer Wohnung nicht mehr ertragen, aber nach draußen wollte sie auch nicht.
Und konnte nicht!
Genervt warf sie das Telefon von sich und wickelte sich in die Sofadecke. Es war wie ein kleiner Panzer um sie herum und gerade waren wieder die Anweisungen ihrer Therapeutin in ihrem Kopf.
Konnte das auch dieses Mal helfen? Zumindest würden die Übungen sie ablenken.
Atemübungen und Yoga hatte Margot ihr damals empfohlen. Und ihr auch die Telefonnummer dagelassen. Irgendwo war die Visitenkarte noch, aber konnte Lissy so einfach nach ein paar Jahren bei ihr anrufen?
Momentan warte sie, wie auf glühenden Kohlen darauf, dass doch Britta endlich wieder bei ihr wäre.
Und jetzt blickte Lissy abwechselnd zwischen dem Schränkchen mit der Karte und der Tür der Wohnung hin und her.
Draußen wurde es langsam dunkel!
Die Finsternis der Nacht senkte auch die Angst in ihr verletztes Herz.
„Britta! Ich brauche dich!“, stieß Lissy aus, als es an der Wohnungstür klingelte.
Mit einem Satz war sie vom Sofa gesprungen und rannte zur Tür. Sie warf einen Blick auf den Videomonitor und es war Britta!
Gott sei Dank! Endlich!
Gelassen öffnete sie die Wohnungstür und sagte: „Du hast dir ja ganz schön viel Zeit gelassen!“
Britta stand mit zwei riesigen Koffern vor dem Appartement.
„Wo willst du denn damit hin?“, fragte Lissy, als sie die Freundin in den Raum gelassen hatte.
Aller Zweifel war gerade fern, da sie ja momentan auch nicht mehr alleine war.
„Na zum Skilaufen! Da braucht man doch warme Sachen und auch mal was zum Wechseln!“, erklärte Britta und wickelte sich aus ihrem Anorak.
„Mir reicht da immer meine Kreditkarte. Ich habe nur einen Sportwagen! Da passt das alles doch gar nicht rein!“, versuchte sie möglichst cool zu antworten und dabei wäre sie Britta am liebsten gerade vor Erleichterung um den Hals gefallen!
Mit Brittas Ankunft waren die Zweifel fort und blieben hoffentlich auch dort, wo sie gerade waren!
„Die Zeitung habe ich weisungsgemäß verbrannt!“, erklärte Britta beim Weghängen der Jacke und gab ihr damit einen Stich ins Herz.
Die Erinnerung an diese unschönen Fotos hätte jetzt auch in der Versenkung bleiben können.
Eine Zeitung war verbrannt, aber tausende andere Exemplare gab es noch. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Weihnachten auf Schloss Wolfenfels“ mit ISBN 978-3-7568-3661-1, 260 Seiten, demnächst als Buch für 9,49 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://romantik.goeritz-netz.de/14.html

Mein Buch „Zwei Frauen unterm Sternenbanner“

„… Nicht mehr viel fehlte am Morgen. Vermutlich würde in spätestens einer Stunde die Sonne aufgehen und Rose versuchte so leise wie nur irgend möglich das Lager zu betreten. Im blassen Licht des soeben untergehenden Mondes konnte sie die Hütten vor sich gerade noch so erkennen.
In den vielen Jahren ihrer Abwesenheit schien sich hier so rein gar nichts verändert zu haben und sie hätte den Weg zu Mutters Hütte vermutlich sogar mit geschlossenen Augen gefunden.
Nur noch etwa dreißig Schritte trennten sie von dem Gebäude, in dem sie geboren und die ersten Jahre aufgewachsen war.
Hinter der ehemaligen Hütte ihres Freundes ließ sie die beiden Revolver ins Gras rutschen, dann schlich sie auf Zehenspitzen weiter.
Noch zehn Schritte!
Immer wieder blieb sie stehen und lauschte auf die Geräusche, aber nur der Wind säuselte in dem Baum neben der Hütte.
Jetzt musste sie sich beeilen.
Rose schlüpfte in die Baracke der Mutter und hoffte, dass es noch ihre war. Sie huschte zu dem Strohsack, beugte sich herunter und sah das vertraute Gesicht im letzten Mondlicht.
Eilig legte sie ihre Hand auf den Mund der alten Frau und flüsterte: „Mutter! Wir müssen fort!“
Mae zuckte zusammen, dann sah Rose zuerst das Aufblitzen der Freude über dieses Treffen in Mutters Augen, das nur Bruchteile eines Augenblickes später von Stutzen und Entsetzen abgelöst wurde.
„Mein Gott, Rose! Was machst du hier? Du hättest bleiben sollen, wo auch immer du warst! Verschwinde schnell wieder, bevor dich jemand sieht!“, erklärte die Mutter leise und mit sich fast überschlagender Stimme.
„Schnell! Komm mit! Ich habe einen Weg in den Norden für dich und mich. Meine Tochter will dich auch sehen!“, entgegnete Rose und richtete sich auf.
Für einen Augenblick war es ihr, als ob ein Lichtschein in die Hütte fiel, aber für die morgendliche Sonne war es noch viel zu früh. Oder hatte sie sich vertan?
Rose fuhr zum Hüttenausgang herum und mit einem lauten Knall entzündeten sich im selben Moment zwei Fackeln unmittelbar vor der Behausung.
„Na wen haben wir denn da? Rose, die Ausreißerin!“, hörte sie den triumphierenden Ruf von Stuart, dem alten Aufseher, der sie vor vielen Jahren schon einmal gefangen hatte.
„Du bringst mir fünfzig Dollar ein, die Master Simon auf deinen Kopf ausgesetzt hat!“, äußerte er weiter.
Rose blickte in die Mündung der doppelläufigen Flinte, die Stuart in seiner Hand hielt.
„Mist!“, sauste es durch ihren Kopf, denn die Revolver lagen zu weit entfernt. Warum hatte sie die nicht einfach mitgenommen?
Konnte sie die Strecke bis dahin schaffen? Simon wollte sie doch bestimmt lebend haben! Rose stürzte nach vorn und wollte an dem Aufseher vorbei zu der anderen Hütte, doch Stuart stellte ihr ein Bein.
Sie stürzte und ein Schlag mit dem Gewehrkolben raubte ihr die Sinne.
Ein Wasserguss erweckte sie wieder.
Die Sonne ging gerade auf und um sie herum standen lauter weiße Männer. Auch zwei der Bluthunde waren in der Nähe. Sie sah und hörte die beiden Tiere, die von einem der Männer an der Leine gehalten wurden.
„Wenn haben wir denn hier?“, fragte ein junger Mann in einem gut sitzenden Anzug. Sicherlich war das Simon. „Wenn das nicht diese elende und nichtsnutzige Verbrecherin Rose ist!“, äußerte er weiter, trat einen Schritt auf sie zu und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Wascht sie! Zieht ihr was Anständiges an und bringt sie in mein Haus!“, befahl er noch, drehte sich um und ging davon.
Für einen Augenblick fragte sie sich, was die Männer ihr denn anständiges anziehen sollten, denn ihre Kleidung war doch vollständig intakt und von Gundel auf Maß geschneidert.
Es gab nichts Besseres, bis einen Atemzug später Kleid, Jacke, Mieder und Unterkleid nacheinander schichtweise in Fetzen gingen. Auch die Unterhose, Strümpfe und Schuhe wurden ihr rabiat von den Füßen gerissen.
Zwei der Männer packten sie an den Armen und schleiften sie nackt zum Brunnen.
Ziemlich brutal wuschen die Männer sie und schrubbten sie mit einer Bürste ab.
Danach musste sie nackt zum Herrenhaus laufen, wo sie wenig später die Kleidung einer Sklavin in die Hand gedrückt bekam und mit einem Stoß in den Rücken in die Arrestzelle flog.
Alles war aus!
Die Aufseher verschlossen lachend die Tür, Rose zog sich Unterkleid, Bluse und Rock an und setzte sich auf die hölzerne Pritsche.
Es war eine blöde Idee gewesen, hierher zurückzukommen!
Die Sklaven hier versuchten alles, um in den Norden zu entfliehen und sie ging in die andere Richtung, geradewegs in ihr Verderben!
Was würde geschehen?
Rose blickte sich um. Vor vielen Jahren war sie bereits einmal in dieser Kammer. Das war einst nach ihrer Flucht. Der Freund war damals gestorben und sie hatte zehn Peitschenhiebe erhalten, bevor ihr Vater sie verkauft hatte.
Diesmal würde sie sicher den Tod finden!
Eine Träne lief ihr an der Wange herab, aber sie galt ihrer Tochter und nicht sich selbst. Vielleicht hatte Rose dieses Ende schon einkalkuliert, denn niemand mit klarem Verstand ging sehenden Auges in eine Falle!
Mit den Fingerspitzen wischte sie sich die Träne fort.
Sie musste sich in Geduld fassen, denn der Master würde sie sicherlich erst mal schmoren lassen, damit die Angst sie weichmachte.
Erneut ging ihr Blick umher. Vier mal vier Schritte maß dieser Verschlag. Mit einer hölzernen Pritsche, einem vergitterten Fenster und einer abgeschlossenen Tür. Es gab keine Decke, nur einen verdreckten Eimer neben der Tür. Von ihrem Platz aus konnte Rose erkennen, dass er wohl der Notdurft dienen sollte.
Auf der hochbeinigen hölzernen Schlafstelle sitzend zog sich für Rose die Zeit unendlich lang. Warum sagte ihr Simon nicht einfach, wann er sie töten würde? Gleich oder Morgen? Länger als eine Woche würde er sie wohl kaum am Leben lassen.
Damals war er noch keine zehn Jahre alt gewesen und sie hatte noch nicht gewusst, dass er ihr Halbbruder war. Sie hatte ihn oft bei den Feiern gesehen, bei denen sie damals bedienen musste.
Sie war das Schokoladenmädchen gewesen und Simon hatte oft die Leckereien von ihrem Teller geholt. Nie hatte sie auch nur einen Krümel oder die Reste davon erhalten. Und was kam jetzt?
Rose erhob sich und trat an das Fenster. In dem großen Garten davor arbeiteten zwei alte Sklavinnen. Ihre grauen Haare erinnerten sie an die Großmutter, die damals diese Tätigkeit gemacht hatte.
Was war wohl aus ihr geworden?
Was hatte Simon und dessen Bruder wohl mit ihrer Familie gemacht, als er erfahren hatte, dass sie damals ihren und seinen Vater getötet hatte? Das hätte sie jetzt gern die Mutter gefragt.
Gefasst wartete sie auf ihr Ende! …“

Weiter lesen in meinem Buch „Zwei Frauen unterm Sternenbanner“ mit ISBN 978-3-7562-2366-4, als Buch für 11,90 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/41.html

Mein Buch „Eine Gräfin in Amerika“

„… In der letzten Zeit waren die Spuren von menschlicher Besiedelung immer weniger geworden und deshalb hatten sie auch einfach ihr Lager nachts in der Wildnis aufgeschlagen.
Clara hatte die Angst der anderen Frauen mit der Bemerkung über den Winterschlaf der Bären zu mindern gewusst, aber ob dem wirklich so war, das wusste sie nicht, denn sie kannte Braunbären nur von den Erzählungen ihres Lehrers. Von Wölfen, Kojoten und anderem Übelgetier mal ganz zu schweigen, deren Bilder sie in den alten Lexika in Vaters Bibliothek einst gesehen hatte!
Allerdings würde der Weg mit drei vor Angst schlotternden Frauen nur noch schwerer werden.
Ein neuer Morgen brach an und der erste bläuliche Schein am Himmel verdrängte die Sterne der Nacht. Clara erhob sich langsam von ihrem Platz am Feuer, streckte sich und blickte auf die kleine Gemeinschaft herab, die noch schlafend um sie herum am Boden lag.
Rose war in drei Decken und zwei Mäntel gewickelt. Die Kälte der Nacht setzte der jungen Frau deutlich zu. Sie war das Leben im Süden gewohnt und in Louisiana war es vermutlich selbst zu Weihnachten wärmer, als hier mitten im Sommer.
Es musste mittlerweile Iowa sein und sie waren immer noch auf dem Weg nach Nordwesten. Der verblassende Polarstern zeigte ihr die Richtung an. Abermals dankte sie ihrem Hauslehrer für all das, was sie früher für völlig unnützes Wissen gehalten hatte.
Clara beugte sich hinab, weckte Rose mit einem Kuss und als diese sich mit einem Becher heißen Kaffees an das Feuer setzte, ging Clara zu den Pferden hinüber, um diese für den Aufbruch vorzubereiten.
Sie hatte gerade das zweite Pferd gesattelt, da rief Maria nach ihr und Clara rannte zurück zum Lagerfeuer.
„Katharina hat Fieber!“, erklärte Maria sorgenvoll.
Alle vier Frauen prüften das sofort nach, doch das Ergebnis war eindeutig!
„So ein elender Mist! Wir brauchen einen Doktor für sie!“, stellte Clara besorgt fest.
Sie richtete sich auf und blickte sich um, aber es waren nur weites Land, niedrige Büsche und wellige Grasflächen rund um sie herum zu sehen.
„Wohin?“, fragte sie sich selbst, zog das Fernrohr aus ihrer Satteltasche und suchte den Horizont ab.
Im Norden war schwach eine Rauchsäule zu erspähen und wenn da nicht der Wald brannte, dann konnten da nur Menschen sein.
Schnell war alles verladen, das Feuer gelöscht und sie auf dem Weg zu dieser fernen Siedlung.
Es dauerte eine Weile, die sie im straffen Galopp zurücklegten, bis die Rauchfahne deutlicher wurde.
Etwa zwei Stunden später war ein Fort zu erkennen. Baumstämme waren als Palisaden in den Boden gerammt und über einem Wachturm wehte die amerikanische Fahne. Damit lief Clara allerdings Gefahr, dass sie dort eventuell gefangengenommen wurde.
Sie verhielt ihr Pferd und ging in den Schritt über.
Die drei Freundinnen ritten neben sie.
„Hört zu!“, begann sie zu erklären und setzte hinzu: „Ich bin Jane Jackson und soll euch zu euren Männern nach Chicago bringen, die dort eine Farm gekauft haben!“
Maria rollte mit den Augen, aber diese Notlüge war bitter nötig!
Vom Fort ritten ihnen ein paar Soldaten entgegen.
Wenig später blieben Frauen und Soldaten voreinander stehen.
„Hallo Captain!“, sagte Clara und tippte sich mit zwei Fingern an die Krempe ihres Hutes.
Der Offizier antwortete: „Ich bin Second Lieutenant Fox von der US Kavallerie! Willkommen in Fort Dodge. Was wollen sie!“
Maria stöhnte hörbar genervt auf.
„Ich bin Buffalo Jane! Jane Jackson und begleite diese Frauen zu ihren Männern nach Chicago. Das Kind von Miss Miller hat Fieber! Gibt es bei ihnen einen Doktor, der uns helfen kann?“, fragte sie.
„Natürlich, Miss Jackson! Folgen sie uns einfach!“, entgegnete der Offizier.
Die Soldaten wendeten und ritten zum Tor zurück, der Lieutenant blieb neben ihr.
„Es ist verdammt kalt geworden in der Prärie, da friert einem fast der Arsch ab!“, erklärte Clara und schlüpfte in ihre Rolle.
Maria schüttelte missbilligend den Kopf.
„Kann ich sie dann zu einem Schnaps in unseren Saloon einladen?“, fragte der Offizier neben ihr.
„Nur, wenn wir diese Nacht bei ihnen im Fort bleiben können. Ich möchte nüchtern sein, wenn ich wieder, wie vor ein paar Tagen, mit einem Bären ringen muss!“, antwortete sie, schob den Revolver zurecht und spuckte in das Gras hinab.
Der Offizier zog die Augenbrauen hoch.
„Braunbär oder Waschbär?“, fragte er.
Maria schlug sich schräg hinter ihr mit der flachen Hand vor die Stirn.
Buffalo Jane war im Begriff, die Kontrolle über diese Situation zu verlieren!
Ohne ein weiteres Wort ritten sie durch das Tor und von dort zu einer Hütte.
„Hier wohnt unser Doktor und dort drüben ist unser Saloon!“, erklärte der Offizier und zeigte auf ein Gebäude, an dem deutlich und groß „Saloon“ stand. Dann ritt der Offizier hinüber und ließ sie dort stehen.
„Buffalo Jane! Dass du immer so übertreiben musst!“, stöhnte Maria, als sie vom Pferd glitt. „Mit Waschbären ringen! Ich lach mich tot!“, murmelte sie, als sie mit Katharina das Haus des Arztes betrat.
„Wir reiten zum Saloon!“, rief Clara ihr hinterher und lenkte ihr Pferd hinüber.
Die beiden anderen Frauen schlossen sich ihr an. Nach ein paar Dutzend Schritten banden sie die Pferde vor dem Holzhaus an und betraten den Schankraum.
Schnell waren das Zimmer bezahlt und die Satteltaschen abgelegt. Jetzt mussten sie nur noch auf Maria warten.
Clara dachte an den versprochenen Schnaps, stieg nach unten in den Gastraum und setzte sich an den Tresen. Dort wartete sie auf den Offizier und auf Maria.
Gelangweilt blickte sie sich um und sah in der Ecke das große Brett mit den Fahndungsaufrufen. Sie erhob sich und schlenderte möglichst unauffällig dort hinüber.
Zwischen Posträubern und Viehdieben hing auch das Blatt mit ihrem Porträt. Schnell nahm sie es ab und schob es sich gefaltet in die Innentasche ihrer Weste.
„Sind sie auch als Kopfgeldjägerin unterwegs?“, fragte der Offizier sie von hinten.
Fast hätte sie dabei vor Schreck aufgeschrien.
„Gelegentlich!“, entgegnete sie gespielt gelassen, rückte den Colt zurecht und drehte sich zu dem Lieutenant um.
Der Mann lud sie mit einer Handbewegung zur Theke ein.
„Branntwein oder Whiskey?“, fragte er.
„Branntwein! Das andere Zeug ist doch für kleine Kinder!“, erwiderte Clara und spuckte in den Eimer.
„Zwei Branntwein!“, rief der Offizier.
Der Barmann stellte die Gläser vor sie ab.
Clara kippte den Schnaps mit einem Zug herunter, knallte das Glas auf den Tresen und sagte: „Noch einer!“
Mit dem zweiten stießen sie an und tranken dann langsamer.
Das Papier raschelte in der Weste. Sie brauchte eine Lösung für das Problem. Scarlett hätte eine gehabt, Jane eher nicht. Oder doch?
„Hast du heute Nacht schon was vor?“, fragte sie den Kavallerieoffizier …“

Weiter lesen in meinem Buch „Eine Gräfin in Amerika“mit ISBN 978-3-7557-7346-7, als Buch für 9,90 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/39.html

Mein Buch „Eine sächsische Revolution“

„… Stunden später waren dann alle in den Betten verschwunden. Alle bis auf Heinrich, sie und die Herrin von Maria. Heinrich hatte ja eigentlich hier kein Bett, denn als Vorarbeiter hatte er ein Zimmer in dem Haus, in dem die Ingenieure und Meister der Maschinenbaufirma Hartmann wohnten. Und hier waren alle Betten belegt. Das von Fritz sogar doppelt. Es störte sie nicht, dass sich die beiden unmittelbar hinter ihr liebten.

So saßen sie leise erzählend zu dritt im Schein von einem rußenden Licht an dem Kopfende des Tisches. Unmittelbar hinter ihr waren die beiden Mädchen eingeschlafen und sie stand auf, als der Löffel scheppernd zu Boden fiel, den Carola aus der Hand verloren hatte. Keine der beiden war davon wach geworden. Mit Heinrichs Hilfe legte sie ihre beiden Töchter in das Bett nach oben und auch dabei wachten sie nicht auf. Sie waren viel zu müde durch die Arbeit in der Tuchmanufaktur.

Als sie wieder am Tisch saß, zeigte die Herrin auf die beiden schlafenden Kinder und noch bevor sie etwas fragen konnte, erzählte Regina „Ja! Ich weiß! Sie sollten zur Schule gehen. Aber ich bin auf die Münzen angewiesen, die sie in der Tuchfabrik bekommen. Vier Groschen im Monat, aber es hilft nichts!“ „In welcher Fabrik?“, fragte die Frau nach und Regina nannte den Namen. Betreten schwieg die Frau, dann sagte sie „Die gehört meinem Vater.“ Nun sah Regina sie mit anderen, strengeren Augen an.

„Und sie bekommen wirklich nur vier Groschen?“, fragte die Frau, als ob sie es nicht besser wissen würde. „Ja! Aber zusammen. Nicht jede!“, erwiderte Regina fast trotzig. „Das ist doch aber viel zu wenig für diese schwere Arbeit“, sagte die fremde Frau und das konnte Regina nur nickend bestätigen. Dann begann sie von der Not zu erzählen, der sie hier alle ausgesetzt waren. Zum Schluss sagte sie nur noch verbittert „Und dann müssen wir uns auch noch prostituieren, damit noch eine Münze mehr rausspringt!“ „Deshalb Elfriede?“, fragte die Frau und Regina konnte nur noch zustimmen. „Deshalb ist sie das Leben und nicht der Tod. Ohne sie würden viele Frauen bei den Geburten sterben oder danach mit den vielen Kindern verhungern“, erklärte Regina verbittert.

„Gehst du auch zu ihr?“, wollte die Frau wissen und Regina konnte nur antworten, „Natürlich. Es reicht gerade mal so für die Beiden.“ Dabei zeigte sie nach oben auf das Bett. „Du bietest hier also nicht nur Bett, Unterkunft und Essen an?“, fragte nun die Frau, aber das hatte sie ihr doch schon gesagt. So konnte sie nur noch einmal nicken. „Ich muss mich auch selbst verkaufen. Es bleibt sonst nicht genug am Ende des Monats übrig.“ „Und das, was du damit verdienst, das trägst du dann zu Elfriede?“, fragte sie nach und Regina überschlug im Gedanken. Dann setzte sie hinzu „Etwa die Hälfte davon!“

„Das ist ungerecht!“, antwortet die fremde Frau. Maria stand aus dem Bett auf, zog sich ihr Unterhemd über und setzte sich zu ihnen an den Tisch. Mit nackten Beinen und einer dünnen Decke um die Schultern saß sie bei ihrer Herrin. „Kann ich einen Malzkaffee haben?“, fragte sie und sah über die Schulter zu ihrem schlafenden Freund. Regina füllte die Tassen und auch die Herrin griff nach einem der Becher. Nun herrschte betretenes Schweigen und erst sehr viel später sagte die Herrin von Maria „Ihr verkauft hier nicht nur eure Körper. Ihr verkauft auch eure Seelen!“

„Das ist das Los der Frauen!“, erklärte Maria, noch bevor Regina es sagen konnte. So blieb ihr nur übrig dem Gesagten zuzustimmen. Von draußen fiel der erste helle Schein durch die verschmierten Fenster zu ihnen herein. Im Raum wurde es langsam heller und die ersten Schläfer erwachten.

Maria legte die Decke zurück,  zog sich wieder an und Heinrich bot den beiden Frauen an, sie aus dem Viertel zu begleiten. Zur Verabschiedung gab die Herrin ihr die Hand und dann legte die Frau noch zwei silberne Taler in ihre Hand. Regina sah die großen Münzen staunend an. „Das kann ich nicht annehmen!“, sagte sie und wollte sie zurückgeben, doch die Frau zog ihre Hand zurück. „Doch, du musst es sogar!“, sagte sie und zum Dank umarmte Regina die Frau, auch wenn sie wegen der Zugehörigkeit der Frau zur Familie des Ausbeuters ihrer Kinder immer noch etwas voreingenommen ihr gegenüber war. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Eine sächsische Revolution“ mit ISBN 978-3-7528-8679-5, als Buch für 9,90 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/32.html

Mein Buch „Zwei Frauen unterm Sternenbanner“

„… Nicht mehr viel fehlte am Morgen. Vermutlich würde in spätestens einer Stunde die Sonne aufgehen und Rose versuchte so leise wie nur irgend möglich das Lager zu betreten. Im blassen Licht des soeben untergehenden Mondes konnte sie die Hütten vor sich gerade noch so erkennen.
In den vielen Jahren ihrer Abwesenheit schien sich hier so rein gar nichts verändert zu haben und sie hätte den Weg zu Mutters Hütte vermutlich sogar mit geschlossenen Augen gefunden.
Nur noch etwa dreißig Schritte trennten sie von dem Gebäude, in dem sie geboren und die ersten Jahre aufgewachsen war.
Hinter der ehemaligen Hütte ihres Freundes ließ sie die beiden Revolver ins Gras rutschen, dann schlich sie auf Zehenspitzen weiter.
Noch zehn Schritte!
Immer wieder blieb sie stehen und lauschte auf die Geräusche, aber nur der Wind säuselte in dem Baum neben der Hütte.
Jetzt musste sie sich beeilen.
Rose schlüpfte in die Baracke der Mutter und hoffte, dass es noch ihre war. Sie huschte zu dem Strohsack, beugte sich herunter und sah das vertraute Gesicht im letzten Mondlicht.
Eilig legte sie ihre Hand auf den Mund der alten Frau und flüsterte: „Mutter! Wir müssen fort!“
Mae zuckte zusammen, dann sah Rose zuerst das Aufblitzen der Freude über dieses Treffen in Mutters Augen, das nur Bruchteile eines Augenblickes später von Stutzen und Entsetzen abgelöst wurde.
„Mein Gott, Rose! Was machst du hier? Du hättest bleiben sollen, wo auch immer du warst! Verschwinde schnell wieder, bevor dich jemand sieht!“, erklärte die Mutter leise und mit sich fast überschlagender Stimme.
„Schnell! Komm mit! Ich habe einen Weg in den Norden für dich und mich. Meine Tochter will dich auch sehen!“, entgegnete Rose und richtete sich auf.
Für einen Augenblick war es ihr, als ob ein Lichtschein in die Hütte fiel, aber für die morgendliche Sonne war es noch viel zu früh. Oder hatte sie sich vertan?
Rose fuhr zum Hüttenausgang herum und mit einem lauten Knall entzündeten sich im selben Moment zwei Fackeln unmittelbar vor der Behausung.
„Na wen haben wir denn da? Rose, die Ausreißerin!“, hörte sie den triumphierenden Ruf von Stuart, dem alten Aufseher, der sie vor vielen Jahren schon einmal gefangen hatte.
„Du bringst mir fünfzig Dollar ein, die Master Simon auf deinen Kopf ausgesetzt hat!“, äußerte er weiter.
Rose blickte in die Mündung der doppelläufigen Flinte, die Stuart in seiner Hand hielt.
„Mist!“, sauste es durch ihren Kopf, denn die Revolver lagen zu weit entfernt. Warum hatte sie die nicht einfach mitgenommen?
Konnte sie die Strecke bis dahin schaffen? Simon wollte sie doch bestimmt lebend haben! Rose stürzte nach vorn und wollte an dem Aufseher vorbei zu der anderen Hütte, doch Stuart stellte ihr ein Bein.
Sie stürzte und ein Schlag mit dem Gewehrkolben raubte ihr die Sinne.
Ein Wasserguss erweckte sie wieder.
Die Sonne ging gerade auf und um sie herum standen lauter weiße Männer. Auch zwei der Bluthunde waren in der Nähe. Sie sah und hörte die beiden Tiere, die von einem der Männer an der Leine gehalten wurden.
„Wenn haben wir denn hier?“, fragte ein junger Mann in einem gut sitzenden Anzug. Sicherlich war das Simon. „Wenn das nicht diese elende und nichtsnutzige Verbrecherin Rose ist!“, äußerte er weiter, trat einen Schritt auf sie zu und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Wascht sie! Zieht ihr was Anständiges an und bringt sie in mein Haus!“, befahl er noch, drehte sich um und ging davon.
Für einen Augenblick fragte sie sich, was die Männer ihr denn anständiges anziehen sollten, denn ihre Kleidung war doch vollständig intakt und von Gundel auf Maß geschneidert.
Es gab nichts Besseres, bis einen Atemzug später Kleid, Jacke, Mieder und Unterkleid nacheinander schichtweise in Fetzen gingen. Auch die Unterhose, Strümpfe und Schuhe wurden ihr rabiat von den Füßen gerissen.
Zwei der Männer packten sie an den Armen und schleiften sie nackt zum Brunnen.
Ziemlich brutal wuschen die Männer sie und schrubbten sie mit einer Bürste ab.
Danach musste sie nackt zum Herrenhaus laufen, wo sie wenig später die Kleidung einer Sklavin in die Hand gedrückt bekam und mit einem Stoß in den Rücken in die Arrestzelle flog.
Alles war aus!
Die Aufseher verschlossen lachend die Tür, Rose zog sich Unterkleid, Bluse und Rock an und setzte sich auf die hölzerne Pritsche.
Es war eine blöde Idee gewesen, hierher zurückzukommen!
Die Sklaven hier versuchten alles, um in den Norden zu entfliehen und sie ging in die andere Richtung, geradewegs in ihr Verderben!
Was würde geschehen?
Rose blickte sich um. Vor vielen Jahren war sie bereits einmal in dieser Kammer. Das war einst nach ihrer Flucht. Der Freund war damals gestorben und sie hatte zehn Peitschenhiebe erhalten, bevor ihr Vater sie verkauft hatte.
Diesmal würde sie sicher den Tod finden!
Eine Träne lief ihr an der Wange herab, aber sie galt ihrer Tochter und nicht sich selbst. Vielleicht hatte Rose dieses Ende schon einkalkuliert, denn niemand mit klarem Verstand ging sehenden Auges in eine Falle!
Mit den Fingerspitzen wischte sie sich die Träne fort.
Sie musste sich in Geduld fassen, denn der Master würde sie sicherlich erst mal schmoren lassen, damit die Angst sie weichmachte.
Erneut ging ihr Blick umher. Vier mal vier Schritte maß dieser Verschlag. Mit einer hölzernen Pritsche, einem vergitterten Fenster und einer abgeschlossenen Tür. Es gab keine Decke, nur einen verdreckten Eimer neben der Tür. Von ihrem Platz aus konnte Rose erkennen, dass er wohl der Notdurft dienen sollte.
Auf der hochbeinigen hölzernen Schlafstelle sitzend zog sich für Rose die Zeit unendlich lang. Warum sagte ihr Simon nicht einfach, wann er sie töten würde? Gleich oder Morgen? Länger als eine Woche würde er sie wohl kaum am Leben lassen.
Damals war er noch keine zehn Jahre alt gewesen und sie hatte noch nicht gewusst, dass er ihr Halbbruder war. Sie hatte ihn oft bei den Feiern gesehen, bei denen sie damals bedienen musste.
Sie war das Schokoladenmädchen gewesen und Simon hatte oft die Leckereien von ihrem Teller geholt. Nie hatte sie auch nur einen Krümel oder die Reste davon erhalten. Und was kam jetzt?
Rose erhob sich und trat an das Fenster. In dem großen Garten davor arbeiteten zwei alte Sklavinnen. Ihre grauen Haare erinnerten sie an die Großmutter, die damals diese Tätigkeit gemacht hatte.
Was war wohl aus ihr geworden?
Was hatte Simon und dessen Bruder wohl mit ihrer Familie gemacht, als er erfahren hatte, dass sie damals ihren und seinen Vater getötet hatte? Das hätte sie jetzt gern die Mutter gefragt.
Gefasst wartete sie auf ihr Ende! …“

Weiter lesen in meinem Buch „Zwei Frauen unterm Sternenbanner“ mit ISBN 978-3-7562-2366-4, als Buch für 11,90 Euro und demnächst als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/41.html

Mein Buch „Ein besonderes Praktikum“

„… Der Tag war perfekt gelaufen. Besser hätte es für den Anfang gar nicht gehen können. Er saß neben Birgit im Auto und gerade waren sie auf dem Parkplatz des Hotels angekommen. „Ich habe es vermasselt“, schluchzte die Frau neben ihm und er überlegte, ob sie wohl irgendwo anders gewesen war, als er. Robby nahm die Hände vom Lenkrad und wischte ihr eine Träne von der Wange. „Nein! Alles lief sehr gut“, versuchte er sie zu trösten. „Aber alle waren gegen mich“, sagte sie weiter und schnaubte in ein Taschentuch.

„Hallo Birgit! Das ist normal! Das ist der Vorstand. Alles, was nicht von denen kommt, ist denen erst mal suspekt“, erklärte er ihr und sie sah ihn mit verheulten Augen an. „Wirklich? Und das nennst du gut gelaufen?“, fragte sie und schluckte ein paar Tränen hörbar herunter.

„Ich war schon oft hier bei diesen Männern und Frauen. Wenn da keiner am ersten Tag sagt: ‚Raus hier‘, dann ist alles gut“, setzte er fort und reichte ihr ein sauberes Taschentuch. Birgit hielt ihren Kopf schief, wischte sich die Tränen ab und dabei verlief ihr Mascara. Es lag so etwas Schutzbedürftiges in ihrem Blick, darum nahm er sie in den Arm.

Für einen Moment hielt er sie so. „Morgen kommen die Einzelgespräche. Die Männer sind schon völlig begeistert. Das eingesparte Geld hat sie überzeugt“, erklärte er danach weiter und setzte leise hinzu, „Frau Palhuber wird da morgen eine schwierigere Nuss für dich werden.“ Birgit zuckte zurück und schaute ihn an. „Na du hast ja ein Talent mich zu trösten“, sagte sie schniefend.

„Sie ist deine wirkliche Chefin. Sie leitet das Rechnungswesen der ganzen Firma und ich habe schon ein paar Kämpfe mit ihr ausgefochten“, sagte er. „Wer war sie?“ „Die junge Frau mit den kurzen, schwarzen Haaren. Du erinnerst dich?“, fragte er und sie nickte. „Die hat doch aber gar nichts gesagt“, entgegnete Birgit und nun musste er schmunzeln. „Eben darum“, entgegnete er und stieg aus.

Robby ging um das Auto herum und öffnete die Beifahrertür, damit sie aussteigen konnte. Verängstigt blickte sie ihn von unten aus an und er kniete sich vor sie hin. Da war wohl eine Erklärung fällig. „Sie ist nur zwei Jahre älter als ich, aber schon ganz oben angekommen. Jedes Projekt, welches nicht von ihr kommt, muss erst mal durch ihre Prüfung. Sie wird jedes Komma mit dir ausdiskutieren. Aber ich bin sicher, dass du das kannst“, erklärte er ihr.

„Bist du dann auch dabei?“ „Ich glaube nicht. Es ist dein Projekt und sie wird es von dir erklärt haben wollen.“ Birgit senkte den Kopf und die Tränen begannen wieder zu laufen.

Robby legte seine Finger unter ihr Kinn, hob ihren Kopf und wischte ihr die restlichen Tränen ab. „Ich sehe schon. Wir müssen da an deinem Selbstvertrauen arbeiten. Du bist gut und dein Plan ist brillant!“, schloss er seine Rede ab, hielt ihr die Hand hin und half ihr aus dem Auto.

„Ich kann so unmöglich in das Hotel gehen. Die Wimperntusche ist verlaufen und ich sehe total verheult aus“, sagte Birgit, als sie sich im Autospiegel ansah. „Du siehst wundervoll aus“, entgegnete Robby. „Ach. Du willst mich doch bloß in dein Bett kriegen“, erklärte die Frau und er musste schmunzeln. „Das auch, aber du bist wirklich natürlich am schönsten“, erklärte Robby und zog ein neues Tempotaschentuch aus der Aktentasche.

Vor dem Seitenspiegel des Autos wischte sich Birgit die Augen sauber und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie zu ihm aufsah. „Na bitte“, rief Robby und setzte fort, „Das ist die Frau, die ich mag!“ …“

Weiter lesen in meinem Buch „Ein besonderes Praktikum“ mit ISBN 978-3-7528-4866-3, als Buch für 8,49 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://romantik.goeritz-netz.de/15.html

Meine romantische Erzählung „Eine Nixe zum Abendessen“

„… Die Küsse mit Ariana waren schön gewesen. Völlig unbekümmert hatte sie nackt vor ihm gestanden und gerade schlenderte Richard durch die Nacht zurück zu seinem Haus. Wenn es diese komische Regel mit dem dritten Date nicht gegeben hätte, er hätte Ariana auch bereits an diesem Abend auf die Bank niederdrücken können.
Aber er wollte sich diese Gelegenheit nicht durch eine zu vorschnelle Reaktion seinerseits verderben. Daher kam auch sein schneller Aufbruch, bevor er das nicht mehr verhindern konnte.
Und die Vorfreude darauf, was kommen würde, die war einfach viel zu schön.
Bereits am Abend zuvor war sie nackt neben ihm hergeschwommen, aber in der nur durch den Mond erhellten Nacht hatte er ihren Körper nur undeutlich sehen können. Doch das, was er gesehen und gespürt hatte, das war vielversprechend.
Jetzt freute er sich auf das Wiedersehen und schlenderte zurück, denn Richard hatte es nicht eilig. Wie fast jeden Abend seit Jahren kümmerte sich seine Schwester um Naomi.
Selbst ohne den Ausflug zum Teich wäre er erst weit nach dem Beginn der Schlafenszeit der Tochter in seinem Haus gewesen.
Er wusste nicht, was er all die Jahre ohne Simone hätte machen sollen. Jetzt grübelte er, ob vielleicht mit Ariana eine neue Frau in sein Leben trat und er damit der Schwester etwas mehr Freiraum und eigenes Leben zugestehen konnte.
War diese Idee nach nur zwei Abenden schon zu verwegen?
Nach fünf Jahren des Wartens eher nicht, aber war Ariana die Richtige? Was wusste er eigentlich von ihr? Den Vornamen und dass sie anscheinend oft in der Nacht am Teich war.
Reichte das aus, um Zukunftspläne zu machen? Oder war sie einfach nur ein Weckruf an ihn, dass die Zeit für einen Neuanfang reif war?
Er steckte die Hände in die Hosentaschen und erwischte dabei die Packung Kondome, die ihm der Freund gegeben hatte. Kurz hielt Richard inne, wandte sich zurück und blickte in die Finsternis.
Sollte er zurückgehen?
Er zog die Schachtel aus der Tasche und drehte sie in den Fingern.
„Du weißt doch noch, wie es geht. Oder?“, hatte ihn der Freund gefragt. Das vergaß man wohl kaum, aber in seinem Leben hatte er diese Gummidinger nicht so oft gebraucht.
Hätte er sie nur damals benutzt, bevor Eva zum zweiten Mal schwanger geworden war, dann wäre seine Frau vielleicht jetzt noch am Leben. Oder waren das einfach nur müßige Gedanken?
Jahrelang hatte er sich die Schuld am Tode der geliebten Frau gegeben und was war jetzt? Niemand hatte die Schuld!
Richard schob die Schachtel zurück.
Diese Drei-Date-Regel war der reinste Blödsinn!
Ariana war ihm nackt so nah gewesen, dass da ohne Probleme etwas hätte laufen können. Jetzt war sie allerdings sicherlich nicht mehr dort.
Spazierend setzte Richard seinen Weg fort.
Es war nach zwei Uhr in der Früh, als er die Wohnung wieder betrat. Früher waren sie oft um diese Zeit noch unterwegs gewesen. Einst, mehr als fünf Jahre zurück. Auch damals hatte Simone gelegentlich auf Naomi aufgepasst.
Richard schlich ohne Schuhe die Treppe hinauf, betrat leise das Kinderzimmer und sah, wie sich Tochter und Schwester im Schlafe aneinander gekuschelt hatten.
Simone hatte eines von Naomis Lieblingsbüchern noch in der Hand und Richard zog es ihr vorsichtig fort. Und obwohl es eine warme Nacht war, deckte er die beiden sorgsam zu.
Schweigend sah er in ihre Gesichter und erkannte Evas Züge im Antlitz der Tochter. Die Frau würde für immer bei ihm sein. In seinem Herzen und auch durch die Tochter, aber es wurde Zeit für Simone, damit diese nicht ihr ganzes Leben für ihn opferte.
Genauso leise, wie er gekommen war, schlich er wieder nach unten, ging unter die Dusche und danach in sein Bett.
Doch der Schlaf kam nicht. Zu viele Erinnerungen waren da in seinen Gedanken. Das Märchen, das er Ariana erzählt hatte, war wieder in seinem Kopf. Der Kuss in dieser Erzählung hatte den Frosch in einen Prinzen verwandelt. Arianas Kuss am vergangenen Abend hatte den Kummer in ihm besiegt.
Richard war für sie bereit! Lächelnd schlief er ein und im folgenden Traum war er ihr wieder nah.
Aus einer ziemlich kurzen Nacht weckte die Schwester ihn wieder auf, als diese das Zimmer betrat und ihn an der Schulter berührte. Das war so ihr tägliches Ritual zur Schichtübergabe.
Simone würde zu ihrer Wohnung und danach auf ihre Arbeit fahren und er musste sich damit wieder um Naomi kümmern.
Der Tag nahm seinen gewohnten Lauf, dem er schon seit so vielen Jahren folgte.
Konnte durch Ariana daran etwas geändert werden?
Eigentlich war das schon geschehen, denn bei der Arbeit des Morgens waren seine Gedanken ständig bei der Frau vom Teich.
Selbst Naomi bemerkte dies und fragte ihn, warum er ihr Kaffee in die Tasse gefüllt hatte, statt des gewohnten Kakao.
Allerdings konnte er die Tochter vorerst noch nicht in seine Überlegungen einbeziehen. Zu vage waren die Planungen, als dass er Naomi damit verwirren sollte.
Zumal er auch nicht wissen konnte, ob es wirklich Ariana sein würde, die hier einen Platz in seiner Wohnung bekam.
In seinem Herzen hatte sie freilich schon einen errungen, wie er jetzt gerade erneut feststellte. Den würde sie auch weiterhin haben, als die Frau, die die Trauer von ihm genommen hatte.
Nachdem Naomi auf dem Weg zur Schule war, setzte sich Richard an den Frühstückstisch und schaute zum Fenster hinaus.
Irgendwo in dieser Richtung befand sich der kleine Teich. Sollte er zum Tagesbeginn dort noch eine Runde schwimmen gehen?
Es waren noch mindestens zwei Stunden, bevor er wieder in seinem Restaurant sein musste.
Die Aussicht darauf, eventuell Ariana dort zu treffen, zog ihn aus dem Stuhl.
Joggen und schwimmen, das wäre doch eine gute Idee! Wann hatte er das letzte Mal Sport gemacht? Egal.
Er zog sich um und lief los.
Natürlich war niemand auf der Bank am Teich, aber das tat der Sache keinen Abbruch.
Der Morgen war angenehm und die Sonne noch nicht so heiß.
Drei Runden drehte er um das kleine Gewässer und es lief sich gut auf dem Waldboden.
Drei Runden für drei Dates?
Die Vorfreude auf den Abend beflügelte ihn.
Danach schwamm er noch einmal quer durch den Waldteich, wie er es zusammen mit ihr in der Nacht getan hatte.
Am Tage konnte man das andere Ufer erkennen und der Teich war damit gar nicht mehr so groß. In der Nacht war es ihm wie ein Ozean vorgekommen. Wie hatte Felix zu Ariana gesagt? „Bademaus!“
Still lächelte Richard, als er wieder an Land kletterte.
Auf der Bank lagen seine Sachen. Auf der Bank, auf der er am Abend mit Ariana gesessen hatte. Und die ihn am Abend wieder hier erwarten würde. Eine sichere Bank! …“

Weiter lesen in meinem Buch „Eine Nixe zum Abendessen“ mit ISBN 978-3-7557-1044-8, als Buch für 9,49 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://romantik.goeritz-netz.de/23.html

Demnächst erscheint meine neue historische Erzählung „Zwei Frauen unterm Sternenbanner“

Hier dazu der Klappentext:

„Die USA im Jahre 1862. Der Bürgerkrieg zerreißt das Land in Norden und Süden. Clara hatte erwartet, dass sie so weit im Norden und kurz vor der Grenze zu Kanada von den Auswirkungen dieser Auseinandersetzung verschont bleiben würde, doch dann bricht ihre Partnerin, die ehemalige Sklavin Rose, auf, um ihre Mutter aus der Sklaverei zu befreien, doch schnell stellt die junge Frau fest, dass dies ein tödlicher Einfall gewesen war. Schließlich ist auch Clara gefordert, zur Waffe zu greifen und sich dem Feind entgegenzustellen.
In der Fortsetzung der Erzählung „Eine Gräfin in Amerika“ sind die Freundinnen gezwungen, sich dem unausweichlichen Schicksal zu stellen. Maria, die seit über zehn Jahren bei den Dakota lebt, Rose, die entflohene Sklavin und Clara, die im Süden gesuchte Mörderin, müssen jede an ihrem Platz um ihr Überleben kämpfen.“

Leseprobe:
„… Nicht mehr viel fehlte am Morgen. Vermutlich würde in spätestens einer Stunde die Sonne aufgehen und Rose versuchte so leise wie nur irgend möglich das Lager zu betreten. Im blassen Licht des soeben untergehenden Mondes konnte sie die Hütten vor sich gerade noch so erkennen.
In den vielen Jahren ihrer Abwesenheit schien sich hier so rein gar nichts verändert zu haben und sie hätte den Weg zu Mutters Hütte vermutlich sogar mit geschlossenen Augen gefunden.
Nur noch etwa dreißig Schritte trennten sie von dem Gebäude, in dem sie geboren und die ersten Jahre aufgewachsen war.
Hinter der ehemaligen Hütte ihres Freundes ließ sie die beiden Revolver ins Gras rutschen, dann schlich sie auf Zehenspitzen weiter.
Noch zehn Schritte!
Immer wieder blieb sie stehen und lauschte auf die Geräusche, aber nur der Wind säuselte in dem Baum neben der Hütte.
Jetzt musste sie sich beeilen.
Rose schlüpfte in die Baracke der Mutter und hoffte, dass es noch ihre war. Sie huschte zu dem Strohsack, beugte sich herunter und sah das vertraute Gesicht im letzten Mondlicht.
Eilig legte sie ihre Hand auf den Mund der alten Frau und flüsterte: „Mutter! Wir müssen fort!“
Mae zuckte zusammen, dann sah Rose zuerst das Aufblitzen der Freude über dieses Treffen in Mutters Augen, das nur Bruchteile eines Augenblickes später von Stutzen und Entsetzen abgelöst wurde.
„Mein Gott, Rose! Was machst du hier? Du hättest bleiben sollen, wo auch immer du warst! Verschwinde schnell wieder, bevor dich jemand sieht!“, erklärte die Mutter leise und mit sich fast überschlagender Stimme.
„Schnell! Komm mit! Ich habe einen Weg in den Norden für dich und mich. Meine Tochter will dich auch sehen!“, entgegnete Rose und richtete sich auf.
Für einen Augenblick war es ihr, als ob ein Lichtschein in die Hütte fiel, aber für die morgendliche Sonne war es noch viel zu früh. Oder hatte sie sich vertan?
Rose fuhr zum Hüttenausgang herum und mit einem lauten Knall entzündeten sich im selben Moment zwei Fackeln unmittelbar vor der Behausung.
„Na wen haben wir denn da? Rose, die Ausreißerin!“, hörte sie den triumphierenden Ruf von Stuart, dem alten Aufseher, der sie vor vielen Jahren schon einmal gefangen hatte.
„Du bringst mir fünfzig Dollar ein, die Master Simon auf deinen Kopf ausgesetzt hat!“, äußerte er weiter.
Rose blickte in die Mündung der doppelläufigen Flinte, die Stuart in seiner Hand hielt.
„Mist!“, sauste es durch ihren Kopf, denn die Revolver lagen zu weit entfernt. Warum hatte sie die nicht einfach mitgenommen?
Konnte sie die Strecke bis dahin schaffen? Simon wollte sie doch bestimmt lebend haben! Rose stürzte nach vorn und wollte an dem Aufseher vorbei zu der anderen Hütte, doch Stuart stellte ihr ein Bein.
Sie stürzte und ein Schlag mit dem Gewehrkolben raubte ihr die Sinne.
Ein Wasserguss erweckte sie wieder.
Die Sonne ging gerade auf und um sie herum standen lauter weiße Männer. Auch zwei der Bluthunde waren in der Nähe. Sie sah und hörte die beiden Tiere, die von einem der Männer an der Leine gehalten wurden.
„Wenn haben wir denn hier?“, fragte ein junger Mann in einem gut sitzenden Anzug. Sicherlich war das Simon. „Wenn das nicht diese elende und nichtsnutzige Verbrecherin Rose ist!“, äußerte er weiter, trat einen Schritt auf sie zu und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Wascht sie! Zieht ihr was Anständiges an und bringt sie in mein Haus!“, befahl er noch, drehte sich um und ging davon.
Für einen Augenblick fragte sie sich, was die Männer ihr denn anständiges anziehen sollten, denn ihre Kleidung war doch vollständig intakt und von Gundel auf Maß geschneidert.
Es gab nichts Besseres, bis einen Atemzug später Kleid, Jacke, Mieder und Unterkleid nacheinander schichtweise in Fetzen gingen. Auch die Unterhose, Strümpfe und Schuhe wurden ihr rabiat von den Füßen gerissen.
Zwei der Männer packten sie an den Armen und schleiften sie nackt zum Brunnen.
Ziemlich brutal wuschen die Männer sie und schrubbten sie mit einer Bürste ab.
Danach musste sie nackt zum Herrenhaus laufen, wo sie wenig später die Kleidung einer Sklavin in die Hand gedrückt bekam und mit einem Stoß in den Rücken in die Arrestzelle flog.
Alles war aus!
Die Aufseher verschlossen lachend die Tür, Rose zog sich Unterkleid, Bluse und Rock an und setzte sich auf die hölzerne Pritsche.
Es war eine blöde Idee gewesen, hierher zurückzukommen!
Die Sklaven hier versuchten alles, um in den Norden zu entfliehen und sie ging in die andere Richtung, geradewegs in ihr Verderben!
Was würde geschehen?
Rose blickte sich um. Vor vielen Jahren war sie bereits einmal in dieser Kammer. Das war einst nach ihrer Flucht. Der Freund war damals gestorben und sie hatte zehn Peitschenhiebe erhalten, bevor ihr Vater sie verkauft hatte.
Diesmal würde sie sicher den Tod finden!
Eine Träne lief ihr an der Wange herab, aber sie galt ihrer Tochter und nicht sich selbst. Vielleicht hatte Rose dieses Ende schon einkalkuliert, denn niemand mit klarem Verstand ging sehenden Auges in eine Falle!
Mit den Fingerspitzen wischte sie sich die Träne fort.
Sie musste sich in Geduld fassen, denn der Master würde sie sicherlich erst mal schmoren lassen, damit die Angst sie weichmachte.
Erneut ging ihr Blick umher. Vier mal vier Schritte maß dieser Verschlag. Mit einer hölzernen Pritsche, einem vergitterten Fenster und einer abgeschlossenen Tür. Es gab keine Decke, nur einen verdreckten Eimer neben der Tür. Von ihrem Platz aus konnte Rose erkennen, dass er wohl der Notdurft dienen sollte.
Auf der hochbeinigen hölzernen Schlafstelle sitzend zog sich für Rose die Zeit unendlich lang. Warum sagte ihr Simon nicht einfach, wann er sie töten würde? Gleich oder Morgen? Länger als eine Woche würde er sie wohl kaum am Leben lassen.
Damals war er noch keine zehn Jahre alt gewesen und sie hatte noch nicht gewusst, dass er ihr Halbbruder war. Sie hatte ihn oft bei den Feiern gesehen, bei denen sie damals bedienen musste.
Sie war das Schokoladenmädchen gewesen und Simon hatte oft die Leckereien von ihrem Teller geholt. Nie hatte sie auch nur einen Krümel oder die Reste davon erhalten. Und was kam jetzt?
Rose erhob sich und trat an das Fenster. In dem großen Garten davor arbeiteten zwei alte Sklavinnen. Ihre grauen Haare erinnerten sie an die Großmutter, die damals diese Tätigkeit gemacht hatte.
Was war wohl aus ihr geworden?
Was hatte Simon und dessen Bruder wohl mit ihrer Familie gemacht, als er erfahren hatte, dass sie damals ihren und seinen Vater getötet hatte? Das hätte sie jetzt gern die Mutter gefragt.
Gefasst wartete sie auf ihr Ende! …“

Weiter lesen in meinem Buch „Zwei Frauen unterm Sternenbanner“ mit ISBN 978-3-7562-2366-4, demnächst als Buch für 11,90 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

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