Mein Buch „Im Feuersturm“, die Geschichte der Grete Minde aus Tangermünde

„… Offensichtlich blieb der Mann im Winter immer in der Nähe der Stadt. Im Sommer war er oft tagelang verschwunden gewesen. Wohin wusste keiner. Vielleicht nur Martin. Mit ihm zog der Soldat immer herum, obwohl die beiden mehr als ein paar Jahre trennten. Konnte es also nicht endlich Frühling werden? Dann würde er sicher wieder verschwinden und mit ihm Minnas Angst. Aber es war noch so lange hin! So viel Zeit zur Furcht im Dunklen. Dabei gingen ihre Gedanken auch immer wieder zu Grete. Was würde wohl werden, wenn sie das Erbe erhielt? Was, wenn nicht? Nicht mal in ihren Albträumen wollte sie mit diesem Manne zusammen sein. Und Grete würde das dann jeden Tag vor sich haben! Immer wieder fragte sich Minna, ob sie die Freundin vor dem Mann warnen sollte. War es nicht ihre Pflicht als Freundin der anderen Freundin gegenüber?

Es war später Nachmittag und vor der Hüttentür war es schon dunkel, als ein dringendes Bedürfnis Minna nach draußen zur Latrine zog, die sich hinter den Hütten befand. Dabei würde sie auch an der Hütte vorbei müssen, in welcher der Soldat wohnte und es duldete keinen Aufschub. Wenn irgend möglich hätte sie nun auf Jacob gewartet, aber so lange würde sie es wohl nicht mehr aushalten. Für einen Moment dachte sie noch daran, sich vielleicht in den Eimer zu erleichtern, doch dann faste sie Mut und schob die Tür auf. Bis zu dem Balken waren es ja nur ein paar Schritte und dorthin ging fast jeder aus der kleinen Gruppe der Hütten. Was konnte ihr auf diesen dreißig Schritten schon schlimmes passieren?

Sie kam nun fünfzehn! Direkt an der Ecke zur Nachbarhütte blieb sie stehen, weil sie einen Schatten gesehen hatte. Dann hörte sie ein Tuscheln. Zwei Männer mussten auf der anderen Seite stehen und unterhielten sich leise. Minna hörte zu, obwohl sie das nicht wollte. Schon einmal war sie ja gewarnt worden, als der Herr sie für ihr Lauschen die Treppe hinab geworfen hatte. Doch etwas zwang sie, dort stehenzubleiben. Das leise Gespräch ging darum, dass ein Kaufmann sehr viel Geld haben sollte. Und natürlich ging es auch darum, dieses Geld „umzuverteilen“, wie einer der beiden Männer wispernd sagte. Minna war klar, dass hier gerade ein Raub besprochen wurde, denn freiwillig würde ja niemand sein Geld herausgeben. Nun wollte sie nur noch zurück, der Eimer in der Hütte war jetzt die sicherere Wahl.

Im Umdrehen stieß sie allerdings gegen die Hüttenwand. Das Geräusch war viel zu laut! Erschrocken sah sie über die Schulter zurück und blickte in die eiskalten Augen des Landsknechtes. Der Mann hatte die geistige Büchse schon auf sie abgefeuert! Dieser Blick hätte einen Panzer durchdringen können! Mit schnellen Schritten rannte Minna, trotz des sie behindernden Kleides, zur Hütte zurück, doch der Mann holte sie an der Hüttentür ein und schleuderte sie durch die sich öffnende Tür in den Raum hinein. Minna prallte gegen den Tisch und schon legte sich eine große Hand von hinten über ihren Mund. „Von all dem wirst du niemanden etwas verraten!“, wisperte die Stimme dicht bei ihrem Ohr. Minna nickte und der Mann flüsterte weiter „Ich werde immer in deiner Nähe sein und du wirst sterben, wenn auch nur ein Wort darüber deinen Mund verlässt!“ erneut nickte sie.

….

Als dann der Hochsommer über das Land kam, war in den Dörfern keine helfende Hand mehr nötig. Daher begannen sie in der Gegend zwischen Gardelegen und Salzwedel umherzustreifen und in den Städten Handel zu treiben oder beim Markttag für ein paar Kupfermünzen zu helfen. Das Helfen blieb dabei an Grete hängen, Antonius „half“ meist nur dem Wirt ein paar Becher zu leeren und gab die von Grete sauer verdienten Münzen für sich aus. Doch jeder Widerspruch von ihr wurde nur mit Schlägen vergolten. Wenn man es so wollte, so war ihr Leben nun ziemlich armselig geworden.

Kein Dach über Kopf und ein schreiendes Kind vor der Brust. Der tägliche Hunger sorgte auch noch dafür, dass sie kaum Milch für das Kind hatte und damit auf Milch von den Bauern angewiesen war. Allerdings vertrank Tonnis auch weiterhin die meisten Münzen! Grete war damit auf Betteln angewiesen und auf mildtätige Spenden der Standbetreiber auf den Märkten. Aber Bettler waren da eben nicht so gern gesehen. Manchmal wurde sie auch mit Schlägen oder Tritten davon gejagt.

Es waren zwei Tagesmärsche und nur die Aussicht auf guten Wein brachte den Mann dazu, mit ihr zu ziehen. Aber hatte sie sich zu viel zugetraut? Die Entkräftung hatte ihr schon sehr zugesetzt und trotz des guten Wetters hustete sie ständig. Ihr Kopf fühlte sich heiß an und von Zeit zu Zeit war ihr schwindelig. Doch das brachte den Mann natürlich nicht dazu, langsamer zu gehen, oder gar auf sie Rücksicht zu nehmen. In ihrem Zustand würde sie wohl eher vier Tage brauchen, für das Stück des Weges, wenn sie überhaupt in die Stadt kommen würde. Nur die Aussicht darauf, sich mal endlich wieder so richtig satt essen zu können, hielt die Frau noch auf den Beinen und zog sie vorwärts.

Mit einem Stoß in den Rücken schob der breitschultrige Mann sie ziemlich unsanft in den Saal, in welchem der Rat schon versammelt war. Würde sie nun endlich erfahren, was man ihr zur Last legte? Dann stand der Bürgermeister aus seinem Sessel auf und begann „Wir haben am Montag, dem 21. Januar, deinen Mann durch den Scharfrichter Winsel befragen lassen, weshalb er sich, als der Stadt verwiesener Räuber und Dieb, innerhalb der Mauern unserer Stadt aufhält.“

In Gretes Ohren hallten die Worte „Räuber und Dieb“ wieder. Was war hier los? Was hatte sie getan und warum hatte ihr Tonnis nichts davon gesagt? Der Bürgermeister machte eine größere Pause, dann setzte er fort „Bei der peinlichen Befragung durch den Scharfrichter hat er seine Räubereien gestanden. Mehr noch! Er hat uns berichtet, dass du ihn nur geheiratet hast, damit er deine Rache wegen der vorenthaltenen Erbschaft am Rat vollstrecken sollte.“ Ungläubig hörte sie zu und war zu keiner Regung fähig. Wie von fern hörte sie die Worte des Mannes.

„Dein Mann hat uns euren Plan bis ins kleinste Detail beschrieben. Wie du mit ihm und euren Kumpanen das Feuer gelegt hast. Wie er uns mit dem Schwert töten sollte, nachdem du uns arglistig getäuscht hast. Hätte die andere Frau ihn nicht auf der Treppe erkannt, so hätte er uns alle getötet!“. Ein Murren der anderen Ratsmitglieder gab ihr einen Moment der Ruhe, um die gesagten Worte zu verstehen „Aber ich war doch krank. Ich lag zur Zeit des Brandes in Apenburg auf dem Krankenlager. Da können die hohen Herren den Viehtreiber Hans fragen, der mich dort betreut hat. Ich bin unschuldig!“, stieß sie hervor, doch der Bürgermeister schnitt ihr das Wort ab.

„Er hat uns den Brand und den Mordversuch in allen Einzelheiten geschildert. Auch eure Kumpane hat er benannt. Die Brüder Horneburg, Hans Hännekemacher und Martin Emmert waren deine Helfershelfer. Gestehe endlich deine Schuld ein!“, fuhr er sie an, doch wiederum beteuerte Grete ihre Unschuld. Allerdings hatte der Bürgermeister alles gesagt, was er ihr sagen wollte. Er schnitt ihr einfach das Wort ab, setzte sich und auf ein Handzeichen von ihm zerrte der Posten die Frau einfach hinter sich her aus dem Raum. Fast wäre sie die Treppe hinuntergefallen und wenig später saß sie im Keller in ihrer Zelle. Die Ketten waren immer noch an Handgelenken und Knöcheln geschlossen. Sie war unschuldig und doch verloren. Grete hatte den Blick der Männer gesehen, da würde sie nur mit viel Glück lebend davonkommen. …“

… Weiter lesen in meinem Buch „Im Feuersturm – Grete Minde“ mit ISBN 978-3-7481-2078-0, als Buch für 9,90 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/25.html

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Mein Buch „Im Schatten des Regenbogens“ ist jetzt auch als eBook erschienen

„… Das Getreide befand sich endlich in der Scheune und damit war Zeit zum Verschnaufen. Gisela hatte mit zunehmender Sorge bemerkt, wie sich sowohl Kaspar als auch Barbara veränderten. Bei Barbara konnte sie es ja noch auf die schwere und ungewohnte Arbeit schieben, aber bei ihrem Bruder?
In der Woche, die sie die Felder abgeerntet hatten, hatte er sich mit jedem Tage mehr zu seinen Ungunsten verwandelt und ihren Fragen ging er aus dem Weg.
Und so wie sich Kaspar von ihr entfernte, so näherte sie sich immer mehr an Barbara an.
Obwohl diese letzte leidenschaftliche Nacht mit ihr schon mehr wie eine Woche her war, war doch die Erinnerung an dieses wundervolle Erlebnis immer noch in ihr wach. Was mit dem einen Kuss damals im Kloster als Freundschaft begonnen hatte, das war jetzt zu einer Art von inniger Gunst geworden.
Und da schmerzte es natürlich umso mehr, die Freundin so leiden zu sehen. Vielleicht schämte sich Gisela auch für das Verhalten ihres Bruders.
Momentan zog sich Barbara immer mehr in sich zurück. Sie wurde wieder diese unnahbare Gräfin, die sie für Gisela im Schloss gewesen war. In sich gekehrt, wort- und gefühllos. Scheinbar eiskalt!
Jede Nacht lagen sie nah beieinander und trotzdem wie durch Welten voneinander getrennt. Mit jedem neuen Tag entfremdete sie sich weiter von Kaspar und in ihrem Inneren schmerzte es Gisela, wenn sie sah, wie dieser mit der Freundin umging.
Auf eine Armlänge entfernt sah sie den beiden zu, die sich neben ihr liebten. Das hatte sie schon vorher heimlich getan, doch gegenwärtig machte sie es viel aufmerksamer und sie sah sich selbst in dem Verhalten von Barbara.
Wie sich Gisela einst bei dem Grafen verhalten hatte, so verhielt sich Barbara jetzt bei Kaspar. Still, duldend und leidend. In so mancher Nacht hatten sie sich beide in den Schlaf geweint. Barbara viel schneller, da sie von der ungewohnten Arbeit oft völlig erschöpft gewesen war.
Momentan stand Gisela mit einem Getreidebündel im Arm an der Tür der Scheune und sah den Männern zu, die auf dem Platz vor der Scheune mit den Dreschflegeln im Kreis standen und das Korn aus den Ähren holten.
Mit einem fröhlichen Lied schlugen sie reihum im Takt und die Mägde versorgten sie mit neuen Kornbündeln.
Gisela bemerkte, wie Barbara gerade unter einem der Dreschflegel wegtauchte. Die unerfahrene Frau war viel zu ungeschickt und beinah wäre sie von dem herunter sausenden Holz am Kopfe getroffen worden.
Sie hatte einfach nicht den Rhythmus, der jeder Landmagd mit in die Wiege gelegt worden war. Abermals bückte sie sich im ungünstigsten Moment und Gisela konnte sie gerade noch zurückreisen, bevor schlimmeres passieren konnte.
Sie nahm die Freundin zur Seite und sah die Tränen in ihren Augen.
„Bleib hinter mir und sieh mir zu. Ich hole das ausgedroschene Stroh und du bringst es dann nach hinten zu den Strohpuppen am Zaun“, raunte sie der Freundin zu und strich ihr dabei liebevoll über die Wange.
Gisela spürte dabei, wie Barbara sich ihr entgegendrückte und dankbar zunickte.
Augenblicklich begann sich Gisela in den dumpfen Rhythmus zu begeben. Es dauerte nur einen Atemzug, dann hatte sie die Bewegung aufgenommen. Jahrelang hatte sie diese Tätigkeit im Sommer ausgeführt und sie hätte wohl auch mit verbundenen Augen den richtigen Moment zum Zupacken gefunden.
In fließenden Bewegungen zog sie das Stroh fort, reicht es nach hinten und sah, wie von der anderen Seite neue Ähren nachgeschoben wurden.
Die Männer waren gut aufeinander eingespielt und hier saß wirklich jeder Hieb! Es waren fast nur ältere Bauern und Knechte, die jüngeren waren wohl beim Aufstand gewesen.
Im Takt des Liedes und der Schläge tänzelte sie dahin und erspähte aus dem Augenwinkel, wie der Bauer Kaspar zur Seite nahm.
Für einen Moment stockte sie und wurde augenblicklich ihrerseits von Barbara zurückgerissen. Um Daumenbreite entfernt sauste der Dreschflegel vor ihrer Nase zu Boden.
Unvorsichtigkeit konnte hier schwerste Verletzungen nach sich ziehen, das wusste sie seit Jahren, und trotzdem war sie so nachlässig gewesen.
Schnaufend schaute sie über die Männer hinweg zur anderen Seite. Der Bauer trank mit Kaspar während der Arbeit! Eigentlich war dies eine Ungeheuerlichkeit! Was konnte das nur bedeuten?
„Gisela! Trödle nicht!“, fuhr die Bäuerin sie an und riss sie damit vorerst aus ihren Grübeleien.
Momentan war die Arbeit wichtiger!
Viel konzentrierter machte sie weiter und bei jedem Griff berührten sich ihre und Barbaras Hände. Da war so etwas Vertrautes darin und sie spürte, wie das Eis in Barbaras Seele mit jedem Körperkontakt immer mehr schmolz.
Irgendwann machten die Männer eine Pause und das war das Signal für alle Mägde, sich auf das gedroschene Korn zu stürzen, um es zur Seite zu räumen.
Seite an Seite knieten Barbara und sie auf dem Platz und klaubten die Körner in flache Körbe.
Vierzig Hände räumten den Platz in Windeseile frei, damit die Männer nach der Rast unverzagt weiterarbeiten konnten, aber weder Barbara noch sie hatten Augen für das Korn, sondern nur füreinander. Ohne Blick nach unten rafften sie das Getreide zusammen und immer wieder berührten sich dabei ihre Hände.
Unbeabsichtigt? Sicher nicht!
Die Männer kamen zurück, die Frauen wichen aus. Kaspar und der Bauer fehlten allerdings! Sicherlich waren sie in der Hütte geblieben. Am wichtigsten Tag des ganzen Jahres! Am Dreschtag!
Die monotone Arbeit ging den ganzen Tag weiter, aber den Bruder sah sie erst in der Abenddämmerung wieder auf dem Platz, als der Bauer die Männer verabschiedete.
Erneut wich Kaspar ihren Fragen aus und verschwand auch schon wenig später mit den Männern. Sicher gingen sie in die Schänke.
Barbara drückte sich neben ihr die Hände in den Rücken, richtete sich ächzend auf und sagte danach leise: „Danke!“
Gemeinsam schlurften sie zum Brunnen hinüber, wo sich Barbara entkräftet auf den Rand setzte. Offensichtlich war sie selbst zum Waschen zu erschöpft und darum half Gisela ihr, als würde sie einem kleinen Kind helfen.
Sie zog der Freundin das Kleid über den Kopf, nahm einen Lappen und wusch ihr Gesicht, Hals und Arme. Danach kniete sie sich vor sie hin und wusch auch Barbaras Beine ab. Einst hatte sie in dieser Art als Zoffmagd jeden Tag Barbara auf ihrem Schloss gewaschen.
Doch dieses Mal war es anders, denn als sie sich wieder aufrichtete, wurde sie von der Freundin dafür mit einem Kuss belohnt. Einem langen Kuss!
Für einen Moment zuckte sie zurück, doch dann kam die Erinnerung an diese wunderschöne Nacht zurück.
Barbara griff sich den Lappen und wusch sie jetzt ihrerseits, obwohl sie dazu vor kurzem noch zu abgekämpft gewesen war. Es tat gut, sich so verwöhnen zu lassen.
Wenig später schlenderten sie, Hand in Hand, zur Scheue zurück.
In diesem Gebäude und in der einsetzenden Dämmerung folgte ein neuer Kuss.
Augenblicklich schmolz ihrer beider Herz.
Aus der Freundschaft wurde Liebe, die aufloderte und vor der es kein Halten mehr gab.
Hektisch entledigten sie sich der Unterkleider und nur Bruchteile eines Augenblickes später sanken sie in das Stroh. Leidenschaftlich küssten sie sich.
Sie streichelten und liebten sich.
Im Dunkel der Scheune trieben sie sich beide gegenseitig zur Erlösung hin und die Erschöpfung des Tages war weit entfernt.
Stöhnend bäumte sich Barbara unter ihren Fingern auf. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Im Schatten des Regenbogens“ mit ISBN 978-3-7562-5829-1, als Buch für 11,50 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/40.html

Mein Buch „Der schwarze Tod – Mainz, im Jahre 1349“

„… Ruhelos streifte ihr Blick über die dunkle Straße. Sie hatte sich ein Tuch vor das Gesicht gezogen, wodurch nur noch die Augen zu sehen waren und sie war ein Geschöpf der Dunkelheit geworden. Erst nach Einbruch der Dämmerung kam sie aus ihrem Versteck und beim ersten Morgenrot verzog sie sich wieder in ihre Behausung, in welcher sie den Rest des Tages verschlief. Die Angst vor der Gewalt trieb sie dazu. Sie hatte auch ihren Mann gesehen, wie er durch die Straßen streifte und sie suchte, doch Lorena durfte ihm nie wieder begegnen, denn sie hatte dem Engel geschworen, zu helfen und das war nun ihre Aufgabe, auch wenn ihr die Trennung von Balthasar seelische Schmerzen bereitete. Auf leisen Sohlen eilte sie durch die Gassen und half den Ärmsten und Kranken.

Es war nun Anfang August und das Grauen des Todes war in der Stadt allgegenwärtig geworden. Nicht nur die Toten der Pest waren zu beklagen, sofern noch jemand dazu in der Lage war, nein, auch Räuberbanden zogen umher und raubten die leeren Häuser und die sterbenden Menschen aus. Immer gejagt von den Wachen der Stadt. Wenn man so wollte, dann war die öffentliche Ordnung vollkommen zusammengebrochen.

Erschöpft setzte sich die Frau an eine Hauswand in den Schatten und dachte daran zurück, wie sie in dem Hause des Juden gewesen war. Die Frau hatte sie nie wieder gesehen. Eines Abends, als sich die Wunde geschlossen hatte und sie wieder so weit in Ordnung gewesen war, hatte ihr die Frau den allabendlichen Trunk gegeben. Dann war Lorena eingeschlafen und am nächsten Morgen irgendwo in der Stadt aufgewacht. Sie war vollkommen angezogen gewesen mit dem Kleid, das ihr Gundel damals in das Haus gebracht hatte. Lage hatte Lorena überlegt, ob sie wieder in ihre alte Hütte oder zu Balthasar zurückgehen sollte, doch sie hatte sich für den Engel entschieden. Nur so würde sie der Hölle entgehen! Und so lebte sie nun unter den Toten. Mehr ein Geist, als ein Mensch.

Wie lange würde sie das Ganze überleben? Oder war sie schon tot? Hielt der Engel des Herrn schützend seine Hand über sie? Vielleicht! Jetzt, in der Nacht, konnten ihr nur die Räuber etwas tun. Die Wachen waren nur am Tage unterwegs und die früher eingesetzten Nachtwächter gab es schon lange nicht mehr. Doch die Frau war flink und kannte sich gut aus. Schnell konnte sie in einer der Seitengassen verschwinden, wenn es notwendig sein würde.

Eine Frau mit einem Kind hockte sich nur wenige Schritte vor ihr hin. Sie hörte das Schmatzen des Kindes an der Brust und sah, wie die Mutter dem Säugling liebevoll über den Kopf strich. Ein Bild des Lebens in einer Wüste des Todes. Sollte sie nach vorn zu ihr gehen und die schützende Deckung verlassen? Gerade eben hatte sie einer Sterbenden etwas Wasser aus einem Brunnen gebracht und die letzten Augenblicke mit der Frau zusammen gebetet. Lorena war nun so etwas wie ein Sterbensbegleiter geworden. Nur ganz selten sah sie einen Pfarrer auf der Straße, der oft nur den Reichen und Mächtigen die Sterbesakramente spenden ging. Und was war mit den Ärmsten? Sollten sie in die Hölle kommen?

Auch das war ein Auftrag des Engels gewesen. So viele Seelen wie nur möglich retten! Eigentlich war es absurd! Sie war ja immer noch eine Hübschlerin, eine Ausgestoßene und nun war sie diejenige, die den Menschen den himmlischen Segen und Trost in der Not brachte. Die meisten der Sterbenden hätten ihr vor wenigen Wochen noch nicht mal in ihr Gesicht gesehen und nun hielt sie ihnen die Hand und betete mit ihnen.

Von der linken Seite war ein Tumult zu hören. Die junge Mutter sprang auf und eilte davon. Lorena drückte sich tiefer in den Schatten einer eingefallenen Wand. Dadurch verschmolz sie mit der Straße. Ihre dunklen Sachen taten ein Übriges und so würde sie nicht von den anderen zu sehen sein. Angespannt starrte sie in die Dunkelheit und sah ein paar Männer, die offensichtlich nichts Besseres zu tun hatten, als die Toten auch noch auszurauben. Der toten Frau, mit der sie gerade noch gebetet hatten, rissen sie das Kreuz vom Hals. Vermutlich war es der wertvollste Besitz der alten Frau gewesen. Doch sie war ja schon auf dem Weg zum himmlischen Tor.

Geduckt und zum Sprung bereit sah Lorena den Männern zu. Das waren also die „ehrbaren Menschen“ die sich immer für so viel besser gehalten hatten. Es waren Räuber und Leichenfledderer geworden! Ein Geräusch war von rechts zu hören und eine weitere Bande kam die Straße herauf. Die Männer würden sich direkt vor ihr treffen müssen. Noch enger presste sie sich nach hinten. Nun war keine Flucht mehr möglich! …“

Weiter lesen in meinem Buch „Der schwarze Tod – Mainz, im Jahre 1349“ mit ISBN 978-3-7494-7180-5, 336 Seiten als Buch für 9,90 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/31.html

Meine historische Geschichte „Im Schatten des Regenbogens“ ist jetzt als Buch erschienen

„… Das Getreide befand sich endlich in der Scheune und damit war Zeit zum Verschnaufen. Gisela hatte mit zunehmender Sorge bemerkt, wie sich sowohl Kaspar als auch Barbara veränderten. Bei Barbara konnte sie es ja noch auf die schwere und ungewohnte Arbeit schieben, aber bei ihrem Bruder?
In der Woche, die sie die Felder abgeerntet hatten, hatte er sich mit jedem Tage mehr zu seinen Ungunsten verwandelt und ihren Fragen ging er aus dem Weg.
Und so wie sich Kaspar von ihr entfernte, so näherte sie sich immer mehr an Barbara an.
Obwohl diese letzte leidenschaftliche Nacht mit ihr schon mehr wie eine Woche her war, war doch die Erinnerung an dieses wundervolle Erlebnis immer noch in ihr wach. Was mit dem einen Kuss damals im Kloster als Freundschaft begonnen hatte, das war jetzt zu einer Art von inniger Gunst geworden.
Und da schmerzte es natürlich umso mehr, die Freundin so leiden zu sehen. Vielleicht schämte sich Gisela auch für das Verhalten ihres Bruders.
Momentan zog sich Barbara immer mehr in sich zurück. Sie wurde wieder diese unnahbare Gräfin, die sie für Gisela im Schloss gewesen war. In sich gekehrt, wort- und gefühllos. Scheinbar eiskalt!
Jede Nacht lagen sie nah beieinander und trotzdem wie durch Welten voneinander getrennt. Mit jedem neuen Tag entfremdete sie sich weiter von Kaspar und in ihrem Inneren schmerzte es Gisela, wenn sie sah, wie dieser mit der Freundin umging.
Auf eine Armlänge entfernt sah sie den beiden zu, die sich neben ihr liebten. Das hatte sie schon vorher heimlich getan, doch gegenwärtig machte sie es viel aufmerksamer und sie sah sich selbst in dem Verhalten von Barbara.
Wie sich Gisela einst bei dem Grafen verhalten hatte, so verhielt sich Barbara jetzt bei Kaspar. Still, duldend und leidend. In so mancher Nacht hatten sie sich beide in den Schlaf geweint. Barbara viel schneller, da sie von der ungewohnten Arbeit oft völlig erschöpft gewesen war.
Momentan stand Gisela mit einem Getreidebündel im Arm an der Tür der Scheune und sah den Männern zu, die auf dem Platz vor der Scheune mit den Dreschflegeln im Kreis standen und das Korn aus den Ähren holten.
Mit einem fröhlichen Lied schlugen sie reihum im Takt und die Mägde versorgten sie mit neuen Kornbündeln.
Gisela bemerkte, wie Barbara gerade unter einem der Dreschflegel wegtauchte. Die unerfahrene Frau war viel zu ungeschickt und beinah wäre sie von dem herunter sausenden Holz am Kopfe getroffen worden.
Sie hatte einfach nicht den Rhythmus, der jeder Landmagd mit in die Wiege gelegt worden war. Abermals bückte sie sich im ungünstigsten Moment und Gisela konnte sie gerade noch zurückreisen, bevor schlimmeres passieren konnte.
Sie nahm die Freundin zur Seite und sah die Tränen in ihren Augen.
„Bleib hinter mir und sieh mir zu. Ich hole das ausgedroschene Stroh und du bringst es dann nach hinten zu den Strohpuppen am Zaun“, raunte sie der Freundin zu und strich ihr dabei liebevoll über die Wange.
Gisela spürte dabei, wie Barbara sich ihr entgegendrückte und dankbar zunickte.
Augenblicklich begann sich Gisela in den dumpfen Rhythmus zu begeben. Es dauerte nur einen Atemzug, dann hatte sie die Bewegung aufgenommen. Jahrelang hatte sie diese Tätigkeit im Sommer ausgeführt und sie hätte wohl auch mit verbundenen Augen den richtigen Moment zum Zupacken gefunden.
In fließenden Bewegungen zog sie das Stroh fort, reicht es nach hinten und sah, wie von der anderen Seite neue Ähren nachgeschoben wurden.
Die Männer waren gut aufeinander eingespielt und hier saß wirklich jeder Hieb! Es waren fast nur ältere Bauern und Knechte, die jüngeren waren wohl beim Aufstand gewesen.
Im Takt des Liedes und der Schläge tänzelte sie dahin und erspähte aus dem Augenwinkel, wie der Bauer Kaspar zur Seite nahm.
Für einen Moment stockte sie und wurde augenblicklich ihrerseits von Barbara zurückgerissen. Um Daumenbreite entfernt sauste der Dreschflegel vor ihrer Nase zu Boden.
Unvorsichtigkeit konnte hier schwerste Verletzungen nach sich ziehen, das wusste sie seit Jahren, und trotzdem war sie so nachlässig gewesen.
Schnaufend schaute sie über die Männer hinweg zur anderen Seite. Der Bauer trank mit Kaspar während der Arbeit! Eigentlich war dies eine Ungeheuerlichkeit! Was konnte das nur bedeuten?
„Gisela! Trödle nicht!“, fuhr die Bäuerin sie an und riss sie damit vorerst aus ihren Grübeleien.
Momentan war die Arbeit wichtiger!
Viel konzentrierter machte sie weiter und bei jedem Griff berührten sich ihre und Barbaras Hände. Da war so etwas Vertrautes darin und sie spürte, wie das Eis in Barbaras Seele mit jedem Körperkontakt immer mehr schmolz.
Irgendwann machten die Männer eine Pause und das war das Signal für alle Mägde, sich auf das gedroschene Korn zu stürzen, um es zur Seite zu räumen.
Seite an Seite knieten Barbara und sie auf dem Platz und klaubten die Körner in flache Körbe.
Vierzig Hände räumten den Platz in Windeseile frei, damit die Männer nach der Rast unverzagt weiterarbeiten konnten, aber weder Barbara noch sie hatten Augen für das Korn, sondern nur füreinander. Ohne Blick nach unten rafften sie das Getreide zusammen und immer wieder berührten sich dabei ihre Hände.
Unbeabsichtigt? Sicher nicht!
Die Männer kamen zurück, die Frauen wichen aus. Kaspar und der Bauer fehlten allerdings! Sicherlich waren sie in der Hütte geblieben. Am wichtigsten Tag des ganzen Jahres! Am Dreschtag!
Die monotone Arbeit ging den ganzen Tag weiter, aber den Bruder sah sie erst in der Abenddämmerung wieder auf dem Platz, als der Bauer die Männer verabschiedete.
Erneut wich Kaspar ihren Fragen aus und verschwand auch schon wenig später mit den Männern. Sicher gingen sie in die Schänke.
Barbara drückte sich neben ihr die Hände in den Rücken, richtete sich ächzend auf und sagte danach leise: „Danke!“
Gemeinsam schlurften sie zum Brunnen hinüber, wo sich Barbara entkräftet auf den Rand setzte. Offensichtlich war sie selbst zum Waschen zu erschöpft und darum half Gisela ihr, als würde sie einem kleinen Kind helfen.
Sie zog der Freundin das Kleid über den Kopf, nahm einen Lappen und wusch ihr Gesicht, Hals und Arme. Danach kniete sie sich vor sie hin und wusch auch Barbaras Beine ab. Einst hatte sie in dieser Art als Zoffmagd jeden Tag Barbara auf ihrem Schloss gewaschen.
Doch dieses Mal war es anders, denn als sie sich wieder aufrichtete, wurde sie von der Freundin dafür mit einem Kuss belohnt. Einem langen Kuss!
Für einen Moment zuckte sie zurück, doch dann kam die Erinnerung an diese wunderschöne Nacht zurück.
Barbara griff sich den Lappen und wusch sie jetzt ihrerseits, obwohl sie dazu vor kurzem noch zu abgekämpft gewesen war. Es tat gut, sich so verwöhnen zu lassen.
Wenig später schlenderten sie, Hand in Hand, zur Scheue zurück.
In diesem Gebäude und in der einsetzenden Dämmerung folgte ein neuer Kuss.
Augenblicklich schmolz ihrer beider Herz.
Aus der Freundschaft wurde Liebe, die aufloderte und vor der es kein Halten mehr gab.
Hektisch entledigten sie sich der Unterkleider und nur Bruchteile eines Augenblickes später sanken sie in das Stroh. Leidenschaftlich küssten sie sich.
Sie streichelten und liebten sich.
Im Dunkel der Scheune trieben sie sich beide gegenseitig zur Erlösung hin und die Erschöpfung des Tages war weit entfernt.
Stöhnend bäumte sich Barbara unter ihren Fingern auf. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Im Schatten des Regenbogens“ mit ISBN 978-3-7562-5829-1, als Buch für 11,50 Euro und demnächst auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/40.html

Mein Buch „Im Schatten des Regenbogens“

Mein Buch „Im Schatten des Regenbogens“ wird im Sommer 2022 im Verlag BoD erscheinen (BoD – Books on Demand, Norderstedt, nähere Informationen finden Sie unter http://www.BoD.de)

Die ISBN lautet: 978-3-7562-5829-1

Altersempfehlung: ab 16 Jahre

340 Seiten, Buchformat: 21 cm x 14,8 cm

Hier dazu der vorläufige Klappentext:

„In den Wirren des Bauernkrieges im Jahre 1525 gerät die junge Gräfin Barbara zwischen alle Fronten. Von einem Bauernhaufen aus ihrem Schloss geraubt, überlebt sie nur mit Glück und muss sich den Umständen beugen, um auch weiterhin ihr Leben zu behalten. Der Not gehorchend bleibt sie unter den Bauern und erst dadurch erkennt sie deren schweres Los.
Ihr Mann Fridolin kämpft derweil auf der anderen Seite mit den Landsknechten gegen die Aufständischen. Wird es ihm gelingen, seine Frau zu befreien? Und wird sich Barbara von ihm noch befreien lassen, nachdem sie das Leben der Bauern gesehen und erlebt hat?
Zwischen ihrem Mann und dem Führer des Bauernhaufens gefühlsmäßig hin- und hergerissen muss Barbara eine Entscheidung treffen: für oder gegen die Liebe ihres Lebens.“

Leseprobe:

„… Das Korn befand sich endlich in der Scheune und damit war Zeit zum Verschnaufen. Gisela hatte mit zunehmender Sorge bemerkt, wie sich sowohl Kaspar als auch Barbara veränderten. Bei Barbara konnte sie es ja noch auf die schwere und ungewohnte Arbeit schieben, aber bei ihrem Bruder?
In der Woche, die sie die Felder abgeerntet hatten, hatte er sich mit jedem Tage mehr zu seinen Ungunsten verwandelt und ihren Fragen ging er aus dem Weg.
Und so wie sich Kaspar von ihr entfernte, so näherte sie sich immer mehr an Barbara an.
Obwohl diese letzte leidenschaftliche Nacht mit ihr schon mehr wie eine Woche her war, war doch die Erinnerung an dieses wundervolle Erlebnis immer noch in ihr wach. Was mit dem einen Kuss damals im Kloster als Freundschaft begonnen hatte, das war jetzt zu einer Art von inniger Gunst geworden.
Und da schmerzte es natürlich umso mehr, die Freundin so leiden zu sehen. Vielleicht schämte sich Gisela auch für das Verhalten ihres Bruders.
Momentan zog sich Barbara immer mehr in sich zurück. Sie wurde wieder diese unnahbare Gräfin, die sie für Gisela im Schloss gewesen war. In sich gekehrt, wort- und gefühllos. Scheinbar eiskalt!
Jede Nacht lagen sie nah beieinander und trotzdem wie durch Welten voneinander getrennt. Mit jedem neuen Tag entfremdete sie sich weiter von Kaspar und in ihrem Inneren schmerzte es Gisela, wenn sie sah, wie dieser mit der Freundin umging.
Auf eine Armlänge entfernt sah sie den beiden zu, die sich neben ihr liebten. Das hatte sie schon vorher heimlich getan, doch gegenwärtig machte sie es viel aufmerksamer und sie sah sich selbst in dem Verhalten von Barbara.
Wie sich Gisela einst bei dem Grafen verhalten hatte, so verhielt sich Barbara jetzt bei Kaspar. Still, duldend und leidend. In so mancher Nacht hatten sie sich beide in den Schlaf geweint. Barbara viel schneller, da sie von der ungewohnten Arbeit oft völlig erschöpft gewesen war.
Momentan stand Gisela mit einem Getreidebündel im Arm an der Tür der Scheune und sah den Männern zu, die auf dem Platz vor der Scheune mit den Dreschflegeln im Kreis standen und das Korn aus den Ähren holten.
Mit einem fröhlichen Lied schlugen sie reihum im Takt und die Mägde versorgten sie mit neuen Kornbündeln.
Gisela bemerkte, wie Barbara gerade unter einem der Dreschflegel wegtauchte. Die unerfahrene Frau war viel zu ungeschickt und beinah wäre sie von dem herum wirbelnden Holz am Kopfe getroffen worden.
Sie hatte einfach nicht den Rhythmus, der jeder Landmagd mit in die Wiege gelegt worden war. Abermals bückte sie sich im ungünstigsten Moment und Gisela konnte sie gerade noch zurückreisen, bevor schlimmeres passieren konnte.
Sie nahm die Freundin zur Seite und sah die Tränen in ihren Augen.
„Bleib hinter mir und sieh mir zu. Ich hole das ausgedroschene Stroh und du bringst es dann nach hinten zu den Strohpuppen am Zaun“, raunte sie der Freundin zu und strich ihr dabei liebevoll über die Wange.
Gisela spürte dabei, wie Barbara sich ihr entgegendrückte und dankbar zunickte.
Augenblicklich begann sich Gisela in den dumpfen Rhythmus zu begeben. Es dauerte nur einen Atemzug, dann hatte sie die Bewegung aufgenommen. Jahrelang hatte sie diese Tätigkeit im Sommer ausgeführt und sie hätte wohl auch mit verbundenen Augen den richtigen Moment zum Zupacken gefunden.
In fließenden Bewegungen zog sie das Stroh fort, reicht es nach hinten und sah, wie von der anderen Seite neue Ähren nachgeschoben wurden.
Die Männer waren gut und eingespielt und hier saß wirklich jeder Hieb! Es waren fast nur ältere Bauern und Knechte, die jüngeren waren wohl beim Aufstand gewesen.
Im Takt des Liedes und der Schläge tänzelte sie dahin und erspähte aus dem Augenwinkel, wie der Bauer Kaspar zur Seite nahm.
Für einen Moment stockte sie und wurde augenblicklich ihrerseits von Barbara zurückgerissen. Um Daumenbreite entfernt sauste der Dreschflegel vor ihrer Nase zu Boden.
Unvorsichtigkeit konnte hier schwerste Verletzungen nach sich ziehen, das wusste sie seit Jahren, und trotzdem war sie so nachlässig gewesen.
Schnaufend schaute sie über die Männer hinweg zur anderen Seite. Der Bauer trank mit Kaspar während der Arbeit! Eigentlich war dies eine Ungeheuerlichkeit! Was konnte das nur bedeuten?
„Gisela! Trödle nicht!“, fuhr die Bäuerin sie an und riss sie damit vorerst aus ihren Grübeleien.
Gerade war die Arbeit wichtiger!
Viel konzentrierter machte sie weiter und bei jedem Griff berührten sich ihre und Barbaras Hände. Da war so etwas Vertrautes darin und sie spürte, wie das Eis in Barbaras Seele mit jedem Körperkontakt immer mehr schmolz.
Irgendwann machten die Männer eine Pause und das war das Signal für alle Mägde, sich auf das gedroschene Korn zu stürzen, um es zur Seite zu räumen.
Seite an Seite knieten Barbara und sie auf dem Platz und klaubten die Körner in flache Körbe.
Vierzig Hände räumten den Platz in Windeseile frei, damit die Männer nach der Rast unverzagt weiterarbeiten konnten, aber weder Barbara noch sie hatten Augen für das Korn, sondern nur füreinander. Ohne Blick nach unten rafften sie das Getreide zusammen und immer wieder berührten sich dabei ihre Hände.
Unbeabsichtigt? Sicher nicht!
Die Männer kamen zurück, die Frauen wichen aus. Kaspar und der Bauer fehlten allerdings! Sicherlich waren sie in der Hütte geblieben. Am wichtigsten Tag des ganzen Jahres! Am Dreschtag!
Die monotone Arbeit ging den ganzen Tag weiter, aber den Bruder sah sie erst in der Abenddämmerung wieder auf dem Platz, als der Bauer die Männer verabschiedete.
Erneut wich Kaspar ihren Fragen aus und verschwand auch schon wenig später mit den Männern. Sicher gingen sie in die Schänke.
Barbara drückte sich neben ihr die Hände in den Rücken, richtete sich ächzend auf und sagte danach leise: „Danke!“
Gemeinsam schlurften sie zum Brunnen hinüber, wo sich Barbara entkräftet auf den Rand setzte. Offensichtlich war sie selbst zum Waschen zu erschöpft und darum half Gisela ihr, als würde sie einem kleinen Kind helfen.
Sie zog der Freundin das Kleid über den Kopf, nahm einen Lappen und wusch ihr Gesicht, Hals und Arme. Danach kniete sie sich vor sie hin und wusch auch Barbaras Beine ab. Einst hatte sie in dieser Art als Zoffmagd jeden Tag Barbara auf ihrem Schloss gewaschen.
Doch dieses Mal war es anders, denn als sie sich wieder aufrichtete, wurde sie von der Freundin dafür mit einem Kuss belohnt. Einem langen Kuss!
Für einen Moment zuckte sie zurück, doch dann kam die Erinnerung an die wunderschöne Nacht zurück.
Barbara griff sich den Lappen und wusch sie jetzt ihrerseits, obwohl sie dazu vor kurzem noch zu abgekämpft gewesen war. Es tat gut, sich so verwöhnen zu lassen.
Wenig später schlenderten sie, Hand in Hand, zur Scheue zurück.
In diesem Gebäude und in der einsetzenden Dämmerung folgte ein neuer Kuss.
Augenblicklich schmolz ihrer beider Herz.
Aus der Freundschaft wurde Liebe, die aufloderte und vor der es kein Halten mehr gab.
Hektisch entledigten sie sich der Unterkleider und nur Bruchteile eines Augenblickes später sanken sie in das Stroh. Leidenschaftlich küssten sie sich.
Sie streichelten und liebten sich.
Im Dunkel der Scheune trieben sie sich beide gegenseitig zur Erlösung hin und die Erschöpfung des Tages war weit fort.
Stöhnend bäumte sich Barbara unter ihren Fingern auf. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Im Schatten des Regenbogens“ mit ISBN 978-3-7562-5829-1, demnächst als Buch für 11,50 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/40.html

Meine historische Erzählung „Die Braut des Templers“

„… Das Donnerwetter der Mutter war sicher in der ganzen Siedlung zu hören gewesen. Noch jetzt klingelten Aveline die Ohren und dabei war das schon Stunden her. Die beinahe erfolgte Schändung war der Mutter dabei nicht so schlimm vorgekommen, wie das Fehlen der Unterwäsche.
Dass sie beinahe nicht mehr lebend nach Hause gekommen wäre, das war wohl Nebensache gewesen. Mutter hätte es offenbar lieber gesehen, sie wäre in Ehre gestorben, als das sie mit nackten Beinen durch das Viertel lief!
Nun war es draußen dunkel und Aveline saß am Tisch in der Hütte. Noch zwei weitere Male war sie an dem Tag am Fluss gewesen, um zu waschen. Immer mit einem mulmigen Gefühl in ihrem Bauch dafür aber korrekt gekleidet.
Wobei das in der Hitze mehr als lästig gewesen war.
Neben ihr lag der Mantel ihres Retters und in den Händen hatte sie ein leinenes Tuch, das sie mit dem Bild eines Löwen bestickte. Im Schein des kleinen Talglichtes schien sich die Raubkatze auf dem Tuch zu bewegen.
Schon oft hatte Aveline Tiere auf Tücher gestickt und die Nachbarinnen lobten sie häufig für ihre Fingerfertigkeit, doch dieses Tuch musste etwas ganz Besonderes werden.
Der Anhänger an ihrem Halse hatte nun ein neues Band, einen neuen Gürtel hatte Aveline ebenfalls und zum Glück auch noch ihre Unschuld behalten, obwohl die Mutter da anscheinend keinen so großen Wert darauf legte.
Hauptsache die Strümpfe waren am Bein!
Avelines Blick ging zum Lager der Mutter hinüber, auf das diese sich gerade eben niedergelassen hatte. Selbst in der Nacht trug Mutter das lange leinene Unterkleid bis zum Halse geschlossen.
Bei der derzeitigen Hitze in der Hütte hätte sich Aveline auch gern einfach nur nackt unter die Decke gelegt.
Es würde sicher erneut bis zum Morgen dauern, bevor sich der Innenraum der Hütte auf angenehme Temperaturen abgekühlt haben würde.
Das Strohdach half da nur wenig, wenn die Sonne den ganzen Tag auf die Hüttenwand knallte und ihre Hütte war die einzige in der Siedlung, die zu fast drei Seiten den ganzen Tag Sonne abbekam.
An manchen Sommertagen konnte man abends nicht die Hand auf die mit Lehm beschichtete Außenwand legen, ohne sich dabei eine Verbrennung zu holen.
Mutter begann zu schnarchen und die Handarbeit fing wieder Avelines Aufmerksamkeit ein. Sorgsam, Stich für Stich, nahm die Raubkatze langsam Gestalt an. Sie setzte die Stiche besonders eng und daher dauerte es auch etwas länger, bis das etwa Handtellergroße Tier auf einer Ecke des Tuches so abgebildet war, wie es sich Aveline vorgestellt hatte.
Groß, kräftig, auf den Hinterbeinen stehend und mit weit aufgerissenem Maul. Vermutlich so, wie der Ritter es mögen würde. Und so, wie der Mann um sie, oder für sie, gekämpft hatte.
Mit dem Bild des Löwen vor Augen holte sie sich die Momente des Kampfes nochmals vor ihren Geist. Sie sah, wie der Ritter mit wehendem Mantel und nur mit seinen Fäusten die beiden Räuber bezwungen und getötete hatte.
In den Mantel gehüllt, der nun neben ihr lag und dessen Stoff ihre Finger gerade versonnen streichelten. Und wie vornehm der Ritter sie behandelt hatte! Nicht so, wie es die Knechte hier manchmal taten.
Natürlich herrschte ein rauer Ton in der Siedlung. Beschimpfungen, Beleidigungen und obszöne Schmähungen waren an der Tagesordnung, aber das andere gefiel ihr viel besser.
Versonnen zog sie das Tüchlein an ihre Brust. Da sie am nächsten Tag sowieso die Wäsche in die Kommende der Templer bringen musste, würde sie dabei auch die gerade eben fertig gestellte Stickerei mitnehmen.
Was würde der Empfänger wohl dazu sagen?
Kuno von Bärenberg! Der Name flog immer wieder durch ihren Kopf. Ein adliger Ritter und hochgeborener Herr. Würde er das Tuch überhaupt annehmen?
Sicherlich war es für ihn nur eine kleine Gabe. Eine Nichtigkeit, doch Aveline legte ihre ganze Liebe in diese Arbeit.
Bei den Gedanken an seinen fremdländischen Namen und seine Gestalt zog ein Kribbeln durch ihren Bauch. Ein Lächeln legte sich um ihren Mund.
Kuno von Bärenberg. Das klang so himmlisch. Allerdings war er ein hoher Herr. Das konnte nichts werden! Es würde eine Schwärmerei bleiben.
Da Aveline jeden Tag mit den Tempelrittern und deren Knechten zu tun hatte, wusste sie auch gut Bescheid, wie es bei den Männern dort in der Kommende zuging.
Aveline hob ihren Blick zur Tür. Hatte der Ritter nicht eigentlich schon gegen das 70. Gebot des Ordens verstoßen? „Die Brüder sollen ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Angesicht von Frauen richten“, stand dort und sie hatte ihm nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Brüste gezeigt. Und ihren nackten Schoß, wie ihr gerade siedend heiß durch den Kopf schoss. In ihrer gesamten Nacktheit hatte sie vor ihm gestanden.
Seufzend erhob sie sich von dem Hocker, drückte ihren Rücken durch und streckte sich. Es würde eine kurze Nacht werden, wenn sie überhaupt schlafen könnte.
Noch waren ihre Gedanken völlig durcheinander. Das Licht des Mondes lockte sie vor die Hütte. Die schmutzige Gasse des Tages war in ein silbernes Licht getaucht und hatte dieselbe Farbe, wie auch der kleine Anhänger um ihren Hals.
Alles war in Silber gefasst. Stille war draußen und es war angenehm. Der kühle Wind der Nacht hatte die Hitze des Tages vertrieben. Zumindest vor der Hütte. Nun betrachtete sie ihr Werk auf dem Tuch. Auch der Löwe schien zu leuchten.
Von dem Tuch glitt ihr Blick die Gasse entlang zur Umzäunung der Kommende. Irgendwo dort hinten schlief ihr Retter gerade.
Vielleicht wäre ein Dankgebet auch für ihn nicht schlecht. Zusätzlich zu dem Tuch. Irgendwie kamen ihre Gedanken von dem Mann nicht mehr los und trotzdem musste sie ihn aus ihrem Kopf bekommen.
Er war ein Tempelritter und stand weit über ihr. Und er sollte keuch wie ein Mönch leben.
Wie ein Löwe hatte er um sie gekämpft. War sie seine Löwin? Das Kribbeln in ihrem Bauch rutschte eine Etage tiefer und fing sich in ihrem Schoß. Im Moment hatte sie völlig unkeusche Gedanken in sich, da war sie keine Löwin. Sie fühlte sich eher wie eine rollige Katze, die sich nach dem Kater sehnte.
Wo kamen diese Empfindungen auf einmal her? Hatte der Mond sie ihr in den Kopf gelegt? Fragend richtete sie ihren Blick auf die fast halbe Scheibe am Nachthimmel, die gerade versinken wollte.
Mit jedem Augenblick, den sie länger in das Silberlicht starrte, verstärkte sich das Gefühl in ihr. Aveline musste zurück in die Hütte, bevor sie diese Empfindung überwältigen würde!
Mit Mühe riss sie sich von dem Licht los und ging in die Wärme der Behausung zurück.
Was war das gewesen? Das war unzüchtig!
Niemals durfte sie auch nur so etwas denken!
Sorgfältig legte Aveline das Tuch zusammen, kniete sich in die Ecke und begann vor dem kleinen Kreuz das Vater-Unser. Danach streifte sie sich das Kleid über den Kopf, faltete die Strümpfe sorgsam auf dem Hocker zusammen und legte sich im Unterkleid zur Mutter auf ihr Lager.
Ihr Körper war hier, ihre Gedanken in der Kommende. Und sie bekam sie einfach nicht zurück! Wenn sie die Augen schloss, dann sah sie den Mann vor sich. Da war mehr als Dankbarkeit in ihr, aber im Angesicht ihrer Situation war dies völlig nutzlos. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Die Braut des Templers“ mit ISBN 978-3-7534-4502-1 als Buch für 9,90 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://www.buch.goeritz-netz.de/37.html

Meine historischen Erzählungen

Wer macht Geschichte? Sind es nur die Könige oder Kaiser? Die Fürsten oder Päpste? In meinen Büchern versuche ich die kleinen Leute zu Wort kommen zu lassen. Bauern, Handwerker, Mönche und einfache Söldner bildeten die Masse der Bevölkerung und sie waren es, die maßgeblich für die Geschichte verantwortlich waren. Die jeweiligen Führer legten nur die Richtung fest, doch die Untergebenen brachten mit ihrem Blut und Leben diese Entwicklung voran. Heute kennen wir aber nur noch die Namen der Kaiser, die Namen der Bauern hingegen sind lange von der Zeit verweht worden.

Auch dort gab es starke Persönlichkeiten, die dem harten Leben und der Not trotzten. Diese Menschen, Männer und Frauen, waren es, denen wir unser heutiges Leben verdanken. Sie sind unsere direkten Vorfahren.

Die Geschichten und Erzählungen, die ich niedergeschrieben habe, handeln in Sachsen und erzählen vom Schicksal der einfachen Menschen dort. Sie erzählen von ihren täglichen Mühen, von glücklichen und schweren Tagen.

Die handelnden Figuren sind zu großen Teilen frei erfunden, aber die historischen Bezüge sind durch archäologische Ausgrabungen, Dokumente, Sagen und Überlieferungen belegt.

Also schaut mal bei mir rein unter www.buch.goeritz-netz.de

Mein Buch „Der schwarze Tod – Mainz, im Jahre 1349“

„Als im Jahre 1346 die Pest über Europa hereinbrach, da wusste noch niemand, dass der „schwarze Tod“ binnen weniger Jahre mehr als ein Drittel der Bevölkerung Europas hinwegraffen würde. Die Angst vor der unbekannten Seuche führt zu Hysterie und zu Pogromen an Andersgläubigen. Der Tod zieht durch die Straßen der Städte und nach dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung spielen sich apokalyptische Szenarien in Mitteleuropa ab.

Dies ist die Geschichte von drei junge Frauen, die im Jahre 1349 in Mainz aufeinandertreffen, und die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gundel, die Magd aus dem Dorfe, Lorena, die Hübschlerin aus der Stadt und Sarah, die junge Jüdin, schließen eine ungewöhnliche Freundschaft. Doch wird dieser Bund den Wirren der Zeit standhalten können?

Die drei Frauen erleben in der Stadt ein Zeitalter der Gewalt, der Not sowie des Schreckens und kämpfen täglich um ihr Überleben. Können sie dieser tückischen Krankheit entgehen oder fallen sie der Hysterie ihrer Mitmenschen zum Opfer?“

„… Ruhelos streifte ihr Blick über die dunkle Straße. Sie hatte sich ein Tuch vor das Gesicht gezogen, wodurch nur noch die Augen zu sehen waren und sie war ein Geschöpf der Dunkelheit geworden. Erst nach Einbruch der Dämmerung kam sie aus ihrem Versteck und beim ersten Morgenrot verzog sie sich wieder in ihre Behausung, in welcher sie den Rest des Tages verschlief. Die Angst vor der Gewalt trieb sie dazu. Sie hatte auch ihren Mann gesehen, wie er durch die Straßen streifte und sie suchte, doch Lorena durfte ihm nie wieder begegnen, denn sie hatte dem Engel geschworen, zu helfen und das war nun ihre Aufgabe, auch wenn ihr die Trennung von Balthasar seelische Schmerzen bereitete. Auf leisen Sohlen eilte sie durch die Gassen und half den Ärmsten und Kranken.

Es war nun Anfang August und das Grauen des Todes war in der Stadt allgegenwärtig geworden. Nicht nur die Toten der Pest waren zu beklagen, sofern noch jemand dazu in der Lage war, nein, auch Räuberbanden zogen umher und raubten die leeren Häuser und die sterbenden Menschen aus. Immer gejagt von den Wachen der Stadt. Wenn man so wollte, dann war die öffentliche Ordnung vollkommen zusammengebrochen.

Erschöpft setzte sich die Frau an eine Hauswand in den Schatten und dachte daran zurück, wie sie in dem Hause des Juden gewesen war. Die Frau hatte sie nie wieder gesehen. Eines Abends, als sich die Wunde geschlossen hatte und sie wieder so weit in Ordnung gewesen war, hatte ihr die Frau den allabendlichen Trunk gegeben. Dann war Lorena eingeschlafen und am nächsten Morgen irgendwo in der Stadt aufgewacht. Sie war vollkommen angezogen gewesen mit dem Kleid, das ihr Gundel damals in das Haus gebracht hatte. Lage hatte Lorena überlegt, ob sie wieder in ihre alte Hütte oder zu Balthasar zurückgehen sollte, doch sie hatte sich für den Engel entschieden. Nur so würde sie der Hölle entgehen! Und so lebte sie nun unter den Toten. Mehr ein Geist, als ein Mensch.

Wie lange würde sie das Ganze überleben? Oder war sie schon tot? Hielt der Engel des Herrn schützend seine Hand über sie? Vielleicht! Jetzt, in der Nacht, konnten ihr nur die Räuber etwas tun. Die Wachen waren nur am Tage unterwegs und die früher eingesetzten Nachtwächter gab es schon lange nicht mehr. Doch die Frau war flink und kannte sich gut aus. Schnell konnte sie in einer der Seitengassen verschwinden, wenn es notwendig sein würde.

Eine Frau mit einem Kind hockte sich nur wenige Schritte vor ihr hin. Sie hörte das Schmatzen des Kindes an der Brust und sah, wie die Mutter dem Säugling liebevoll über den Kopf strich. Ein Bild des Lebens in einer Wüste des Todes. Sollte sie nach vorn zu ihr gehen und die schützende Deckung verlassen? Gerade eben hatte sie einer Sterbenden etwas Wasser aus einem Brunnen gebracht und die letzten Augenblicke mit der Frau zusammen gebetet. Lorena war nun so etwas wie ein Sterbensbegleiter geworden. Nur ganz selten sah sie einen Pfarrer auf der Straße, der oft nur den Reichen und Mächtigen die Sterbesakramente spenden ging. Und was war mit den Ärmsten? Sollten sie in die Hölle kommen?

Auch das war ein Auftrag des Engels gewesen. So viele Seelen wie nur möglich retten! Eigentlich war es absurd! Sie war ja immer noch eine Hübschlerin, eine Ausgestoßene und nun war sie diejenige, die den Menschen den himmlischen Segen und Trost in der Not brachte. Die meisten der Sterbenden hätten ihr vor wenigen Wochen noch nicht mal in ihr Gesicht gesehen und nun hielt sie ihnen die Hand und betete mit ihnen.

Von der linken Seite war ein Tumult zu hören. Die junge Mutter sprang auf und eilte davon. Lorena drückte sich tiefer in den Schatten einer eingefallenen Wand. Dadurch verschmolz sie mit der Straße. Ihre dunklen Sachen taten ein Übriges und so würde sie nicht von den anderen zu sehen sein. Angespannt starrte sie in die Dunkelheit und sah ein paar Männer, die offensichtlich nichts Besseres zu tun hatten, als die Toten auch noch auszurauben. Der toten Frau, mit der sie gerade noch gebetet hatten, rissen sie das Kreuz vom Hals. Vermutlich war es der wertvollste Besitz der alten Frau gewesen. Doch sie war ja schon auf dem Weg zum himmlischen Tor.

Geduckt und zum Sprung bereit sah Lorena den Männern zu. Das waren also die „ehrbaren Menschen“ die sich immer für so viel besser gehalten hatten. Es waren Räuber und Leichenfledderer geworden! Ein Geräusch war von rechts zu hören und eine weitere Bande kam die Straße herauf. Die Männer würden sich direkt vor ihr treffen müssen. Noch enger presste sie sich nach hinten. Nun war keine Flucht mehr möglich! …“

Weiter lesen in meinem Buch „Der schwarze Tod – Mainz, im Jahre 1349“ mit ISBN 978-3-7494-7180-5, 336 Seiten als Buch für 9,90 Euro und als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://buch.goeritz-netz.de/31.html

Mein Buch „Die Braut des Templers“

„Freitag, der 13. Oktober 1307 war ein schwarzer Tag für das Gerichtswesen des Mittelalters, denn Frankreichs König Philipp der Schöne bricht das Recht und versucht, mit Unterstützung des Papstes, sich in den Besitz des beträchtlichen Vermögens des Ordens der Armen Ritter vom Tempel Salomons zu bringen. Für die Wäschemagd Aveline beginnt an diesem Tag eine abenteuerliche Flucht. Wochen zuvor hatte sie sich in den Tempelritter Kuno von Bärenberg verliebt und nun versuchen sie ihren Verfolgern zu entkommen.
Gegen die strengen Regeln des Ordens, den Papst und den König, sowie im Kampf gegen die Kräfte der Natur und die Widrigkeiten ihres beschwerlichen Weges, können sich die beiden Liebenden nur auf Kunos Knappen und das Schwert des Ritters verlassen. Obwohl Aveline nicht an Märchen glaubt, wird ihr Weg zu einem Märchen, das wahr zu werden scheint. Doch welche Macht vermag schon zwei liebende Herzen voneinander zu trennen?“

„… Das Donnerwetter der Mutter war sicher in der ganzen Siedlung zu hören gewesen. Noch jetzt klingelten Aveline die Ohren und dabei war das schon Stunden her. Die beinahe erfolgte Schändung war der Mutter dabei nicht so schlimm vorgekommen, wie das Fehlen der Unterwäsche.
Dass sie beinahe nicht mehr lebend nach Hause gekommen wäre, das war wohl Nebensache gewesen. Mutter hätte es offenbar lieber gesehen, sie wäre in Ehre gestorben, als dass sie mit nackten Beinen durch das Viertel lief!
Nun war es draußen dunkel und Aveline saß am Tisch in der Hütte. Noch zwei weitere Male war sie an dem Tag am Fluss gewesen, um zu waschen. Immer mit einem mulmigen Gefühl in ihrem Bauch, dafür aber korrekt gekleidet.
Wobei das in der Hitze mehr als lästig gewesen war.
Neben ihr lag der Mantel ihres Retters und in den Händen hatte sie ein leinenes Tuch, das sie mit dem Bild eines Löwen bestickte. Im Schein des kleinen Talglichtes schien sich die Raubkatze auf dem Tuch zu bewegen.
Schon oft hatte Aveline Tiere auf Tücher gestickt und die Nachbarinnen lobten sie häufig für ihre Fingerfertigkeit, doch dieses Tuch musste etwas ganz Besonderes werden.
Der Anhänger an ihrem Halse hatte nun ein neues Band, einen neuen Gürtel hatte Aveline ebenfalls und zum Glück auch noch ihre Unschuld behalten, obwohl die Mutter da anscheinend keinen so großen Wert darauf legte.
Hauptsache die Strümpfe waren am Bein!
Avelines Blick ging zum Lager der Mutter hinüber, auf das diese sich gerade eben niedergelassen hatte. Selbst in der Nacht trug Mutter das lange leinene Unterkleid bis zum Halse geschlossen.
Bei der derzeitigen Hitze in der Hütte hätte sich Aveline auch gern einfach nur nackt unter die Decke gelegt.
Es würde sicher erneut bis zum Morgen dauern, bevor sich der Innenraum der Hütte auf angenehme Temperaturen abgekühlt haben würde.
Das Strohdach half da nur wenig, wenn die Sonne den ganzen Tag auf die Hüttenwand knallte und ihre Hütte war die einzige in der Siedlung, die zu fast drei Seiten den ganzen Tag Sonne abbekam.
An manchen Sommertagen konnte man abends nicht die Hand auf die mit Lehm beschichtete Außenwand legen, ohne sich dabei eine Verbrennung zu holen.
Mutter begann zu schnarchen und die Handarbeit fing wieder Avelines Aufmerksamkeit ein. Sorgsam, Stich für Stich, nahm die Raubkatze langsam Gestalt an. Sie setzte die Stiche besonders eng und daher dauerte es auch etwas länger, bis das etwa Handtellergroße Tier auf einer Ecke des Tuches so abgebildet war, wie es sich Aveline vorgestellt hatte.
Groß, kräftig, auf den Hinterbeinen stehend und mit weit aufgerissenem Maul. Vermutlich so, wie der Ritter es mögen würde. Und so, wie der Mann um sie, oder für sie, gekämpft hatte.
Mit dem Bild des Löwen vor Augen holte sie sich die Momente des Kampfes nochmals vor ihren Geist. Sie sah, wie der Ritter mit wehendem Mantel und nur mit seinen Fäusten die beiden Räuber bezwungen und getötete hatte.
In den Mantel gehüllt, der nun neben ihr lag und dessen Stoff ihre Finger gerade versonnen streichelten. Und wie vornehm der Ritter sie behandelt hatte! Nicht so, wie es die Knechte hier manchmal taten.
Natürlich herrschte ein rauer Ton in der Siedlung. Beschimpfungen, Beleidigungen und obszöne Schmähungen waren an der Tagesordnung, aber das andere gefiel ihr viel besser.
Versonnen zog sie das Tüchlein an ihre Brust. Da sie am nächsten Tag sowieso die Wäsche in die Kommende der Templer bringen musste, würde sie dabei auch die gerade eben fertig gestellte Stickerei mitnehmen.
Was würde der Empfänger wohl dazu sagen?
Kuno von Bärenberg! Der Name flog immer wieder durch ihren Kopf. Ein adliger Ritter und hochgeborener Herr. Würde er das Tuch überhaupt annehmen?
Sicherlich war es für ihn nur eine kleine Gabe. Eine Nichtigkeit, doch Aveline legte ihre ganze Liebe in diese Arbeit.
Bei den Gedanken an seinen fremdländischen Namen und seine Gestalt zog ein Kribbeln durch ihren Bauch. Ein Lächeln legte sich um ihren Mund.
Kuno von Bärenberg. Das klang so himmlisch. Allerdings war er ein hoher Herr. Das konnte nichts werden! Es würde eine Schwärmerei bleiben.
Da Aveline jeden Tag mit den Tempelrittern und deren Knechten zu tun hatte, wusste sie auch gut Bescheid, wie es bei den Männern dort in der Kommende zuging.
Aveline hob ihren Blick zur Tür. Hatte der Ritter nicht eigentlich schon gegen das 70. Gebot des Ordens verstoßen? „Die Brüder sollen ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Angesicht von Frauen richten“, stand dort und sie hatte ihm nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Brüste gezeigt. Und ihren nackten Schoß, wie ihr gerade siedend heiß durch den Kopf schoss. In ihrer gesamten Nacktheit hatte sie vor ihm gestanden.
Seufzend erhob sie sich von dem Hocker, drückte ihren Rücken durch und streckte sich. Es würde eine kurze Nacht werden, wenn sie überhaupt schlafen könnte.
Noch waren ihre Gedanken völlig durcheinander. Das Licht des Mondes lockte sie vor die Hütte. Die schmutzige Gasse des Tages war in ein silbernes Licht getaucht und hatte dieselbe Farbe, wie auch der kleine Anhänger um ihren Hals.
Alles war in Silber gefasst. Stille war draußen und es war angenehm. Der kühle Wind der Nacht hatte die Hitze des Tages vertrieben. Zumindest vor der Hütte. Nun betrachtete sie ihr Werk auf dem Tuch. Auch der Löwe schien zu leuchten.
Von dem Tuch glitt ihr Blick die Gasse entlang zur Umzäunung der Kommende. Irgendwo dort hinten schlief ihr Retter gerade.
Vielleicht wäre ein Dankgebet auch für ihn nicht schlecht. Zusätzlich zu dem Tuch. Irgendwie kamen ihre Gedanken von dem Mann nicht mehr los und trotzdem musste sie ihn aus ihrem Kopf bekommen.
Er war ein Tempelritter und stand weit über ihr. Und er sollte keuch wie ein Mönch leben.
Wie ein Löwe hatte er um sie gekämpft. War sie seine Löwin? Das Kribbeln in ihrem Bauch rutschte eine Etage tiefer und fing sich in ihrem Schoß. Im Moment hatte sie völlig unkeusche Gedanken in sich, da war sie keine Löwin. Sie fühlte sich eher wie eine rollige Katze, die sich nach dem Kater sehnte.
Wo kamen diese Empfindungen auf einmal her? Hatte der Mond sie ihr in den Kopf gelegt? Fragend richtete sie ihren Blick auf die fast halbe Scheibe am Nachthimmel, die gerade versinken wollte.
Mit jedem Augenblick, den sie länger in das Silberlicht starrte, verstärkte sich das Gefühl in ihr. Aveline musste zurück in die Hütte, bevor sie diese Empfindung überwältigen würde!
Mit Mühe riss sie sich von dem Licht los und ging in die Wärme der Behausung zurück.
Was war das gewesen? Das war unzüchtig!
Niemals durfte sie auch nur so etwas denken!
Sorgfältig legte Aveline das Tuch zusammen, kniete sich in die Ecke und begann vor dem kleinen Kreuz das Vater-Unser. Danach streifte sie sich das Kleid über den Kopf, faltete die Strümpfe sorgsam auf dem Hocker zusammen und legte sich im Unterkleid zur Mutter auf ihr Lager.
Ihr Körper war hier, ihre Gedanken in der Kommende. Und sie bekam sie einfach nicht zurück! Wenn sie die Augen schloss, dann sah sie den Mann vor sich. Da war mehr als Dankbarkeit in ihr, aber im Angesicht ihrer Situation war dies völlig nutzlos. …“

Weiter lesen in meinem Buch „Die Braut des Templers“ mit ISBN 978-3-7534-4502-1 als Buch für 9,90 Euro und auch als E-Book für nur 2,49 Euro.

Alle Informationen immer unter http://www.buch.goeritz-netz.de/37.html

Meine historischen Erzählungen

Wer macht Geschichte? Sind es nur die Könige oder Kaiser? Die Fürsten oder Päpste? In meinen Büchern versuche ich die kleinen Leute zu Wort kommen zu lassen. Bauern, Handwerker, Mönche und einfache Söldner bildeten die Masse der Bevölkerung und sie waren es, die maßgeblich für die Geschichte verantwortlich waren. Die jeweiligen Führer legten nur die Richtung fest, doch die Untergebenen brachten mit ihrem Blut und Leben diese Entwicklung voran. Heute kennen wir aber nur noch die Namen der Kaiser, die Namen der Bauern hingegen sind lange von der Zeit verweht worden.

Auch dort gab es starke Persönlichkeiten, die dem harten Leben und der Not trotzten. Diese Menschen, Männer und Frauen, waren es, denen wir unser heutiges Leben verdanken. Sie sind unsere direkten Vorfahren.

Die Geschichten und Erzählungen, die ich niedergeschrieben habe, handeln in Sachsen und erzählen vom Schicksal der einfachen Menschen dort. Sie erzählen von ihren täglichen Mühen, von glücklichen und schweren Tagen.

Die handelnden Figuren sind zu großen Teilen frei erfunden, aber die historischen Bezüge sind durch archäologische Ausgrabungen, Dokumente, Sagen und Überlieferungen belegt.

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